15. Juli 2016

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„Wer brennt, der bringt es zu etwas“ – Hans-Jürgen Buchner (Haindling) im Interview

„Wer brennt, der bringt es zu etwas“ – Hans-Jürgen Buchner (Haindling) im Interview

Er ist einer der ganz Großen im Bereich „Musik in Mundart“: Hans-Jürgen Buchner, Kopf der Band Haindling, ist seit über 35 Jahren im Musikgeschäft tätig. Am 03.06.2015 trat er im Rahmen der Heimatsound-CD-Veröffentlichung beim Bayerischen Rundfunk auf und verriet uns im Interview, was für ihn musikalisch das absolute Graus ist, welche Tipps er für Newcomer hat und warum er gerne mal ein paar Techno-Songs machen würde. 

Die Haindling-Songs „Du Depp“, „Bayern“ oder „Lang scho nimmer g’sehn“ aus der Feder von Hans-Jürgen Buchner kennt jeder; musikalisch ist er aus Bayern nicht mehr wegzudenken. Wie auch – spätestens, wenn man Haindling einmal live gesehen hat, kann man sich dem Zauber nicht mehr entziehen. Buchners Songs und Texte gehen weich und geschmeidig unter die Haut, live sind Buchner und seine Band ein Genuss, den man staunend auf sich wirken lassen muss. Nicht nur auf der Bühne hat der Vollblutmusiker viel zu sagen – groß war unsere Freude daher, als wir im Rahmen der zweiten Heimatsound-CD-Veröffentlichung die Gelegenheit hatten, uns mit Hans-Jürgen Buchner im Interview zu unterhalten.

magazine4: Wir sind heute unter dem Motto „Heimatsound“ hier. Würdest Du Dich auch in diese Kategorie einordnen?

Hans-Jürgen Buchner: Der Begriff „Heimatsound“ gefällt mir an sich nicht. Vor zwanzig Jahren hätte man wegen der Kombination „Heimat“ und „Sound“ darüber gelacht – aber ist ja wurscht! Es geht ja wahrscheinlich darum, dass man das auch international verstehen kann. Meinen Stil ordne ich unter die Kategorie „Musik aus Bayern in bairischer Sprache“ ein.

magazine4: Trotz des bayerischen Bezugs bist Du aber sehr experimentell.

Hans-Jürgen Buchner: Das ist genau der Unterschied. Es heißt nicht „bayerische Musik“, sondern es ist „Musik aus Bayern“. Bayerische Musik ist etwas Traditionelles – ich bediene mich zwar manchmal auch der traditionellen Muster, verwende aber in meiner Musik Elemente aus der ganzen Welt, Tango zum Beispiel. Darum sage ich: meine Musik kommt aus Bayern und wird in Bayern gemacht und auf Bairisch gesungen.

magazine4: Du hast mit Deiner Musik, wie gesagt, schon viel ausprobiert. Gibt es noch etwas, das Du gerne musikalisch versuchen würdest?

Hans-Jürgen Buchner: Mei, ich probiere mich da weiterhin immer wieder aus…

magazine4: Wie wäre es mit Techno? Würde Dich das reizen?

Hans-Jürgen Buchner: Ja, es reizt mich schon. Ich weiß aber nicht, was meine Fans dazu sagen würden. Klar, wenn ich Techno machen würde, dann würde der natürlich anders als gewohnt klingen: mit Bläsern und vielen Naturstimmen. Ich werde das wahrscheinlich auch machen – aber auf der Bühne bei einem Konzert kann man das vielleicht nicht so umsetzen; auf einem Tonträger ist das hingegen etwas anderes.

magazine4: Aber überraschend wäre es doch bestimmt für Dein Publikum …

Hans-Jürgen Buchner: Teilweise bauen wir solche Elemente ja sowieso ein… Ich lasse alles offen – und das, was mir Spaß macht, das mach ich. Das ist ja das Schöne an meiner Musik: ich darf alles machen und keiner sagt „Nein, das geht nicht“. Auch bei der Plattenfirma habe ich niemanden, der sagt „Nein, das musst Du aber anders machen“; ich habe die letzte Kontrolle – und das, was ich will, kommt auf die Platte … und Aus!

magazine4: Was gefällt dir an dem Konzept „Heimatsound“ des Bayerischen Rundfunks – auch in Hinblick auf den Wettbewerb, bei dem Newcomer gesucht und vorgestellt werden?

Hans-Jürgen Buchner: Mei, also ich würde keinen Wettbewerb mitmachen wollen. Ich bin überhaupt kein Gewinner-Typ, der sagt „Da muss ich unbedingt gewinnen“. Im Grunde verhält es sich mit so einem Wettbewerb nicht viel anders, als wenn sich junge Gruppen ohne Wettbewerb hervortun.

magazine4: Die Chancen sind aber vielleicht größer, weil die Aufmerksamkeit größer ist?!

Hans-Jürgen Buchner: Ja – aber ich sage immer: wer brennt, der bringt es zu etwas. Man muss begeistert sein von seiner Sache und darf, gerade am Anfang, nicht nach der Berühmtheit oder nach dem Geld schielen oder irgendetwas nachmachen. Wenn jemand wirklich begeistert ist, dann kann kommen, was will: derjenige macht dann sein Ding, ohne, dass er sich von irgendetwas aufhalten lässt. Genau das meine ich mit „brennen“. Wenn einer etwas wirklich will, dann macht er es überall und mit allen Mitteln. Als ich vor über 35 Jahren angefangen habe, habe ich meine Kassetten in die Discos mitgenommen; ich bin zum DJ hin gegangen und habe ihn gebeten, meine Musik aufzulegen. Man darf nicht locker lassen, man muss bei der Sache bleiben und mit Begeisterung dabei sein.

magazine4: Und was macht man gegen Frustmomente?

Hans-Jürgen Buchner: Frustmomente muss man überwinden – und das ist auf jeden Fall hart. Solche Situationen kenne ich ja selbst auch, wenn ich zum Beispiel neue Texte suche. Frustmomente sind dazu da, dass der Markt selektiert wird; wer in einem Frustmoment aufgibt, der ist weg. Wer dagegen weitermacht, der überbrückt die Tiefen – und danach geht es ihm noch besser.

magazine4: Was ist musikalisch für Dich ein absolutes Graus? Oder gibt es so etwas gar nicht?

Hans-Jürgen Buchner: Musikalisch ist es manchmal für mich ein absolutes Graus, wenn irgendwelche Popmusiker irgendetwas mit klassischen Geigen und Cellos machen – das ist manchmal gruselig! (lacht) Neulich habe ich erst wieder etwas gehört, das war einfach unpassend und zu hochtrabend. Aber wenn es passt, ist es ok. Und was ich noch als Graus empfinde: es gibt in der Musikbranche – wie in der Kunst überhaupt, ob es nun Malerei, Schriftstellerei oder Fotografie ist – Leute, die sich überschätzen; die meinen, sie sind wahnsinnig gut. Solche Leute haben zufälligerweise oft wahnsinnigen Ehrgeiz und Ellenbogen … und die bringen es auch noch zu etwas. Und das wiederum heißt, dass das Schlechte dann verbreitet wird. Und das finde ich zum … Kotzen. (lacht)

magazine4: Wie geht es denn bei Dir jetzt weiter? Ich habe gesehen, dass Du einige Festivals spielst – und was wird man sonst noch von Dir hören?

Hans-Jürgen Buchner: Ja … man wird schon wieder etwas Neues von mir hören. Wann, weiß ich noch nicht – ich lasse mir Zeit. Weißt Du, ich genieße ja auch, ich lebe ja auch noch gerne, ich bin ja nicht auf dieser Welt, um nur die ganze Zeit am Klavier zu sitzen oder in ein Saxophon oder eine Trompete reinzublasen. Zur Zeit lasse ich es recht ruhig angehen. Ich habe zwar mittlerweile schon ein schlechtes Gewissen, aber das überwinde ich auch! Denn ich finde, ich habe auch wirklich schon viel gemacht; und die Sucht, immer wieder etwas Neues zu machen, ist gerade nicht so groß. Ich will nicht am Sterbebett liegen und sagen: „Mensch, ich habe überhaupt keine Freizeit gehabt“.

Wir bedanken uns sehr für das Interview und freuen uns schon auf die nächsten Konzerte von Haindling!
Nach dem Interview trat Hans-Jürgen Buchner im Rahmen der Heimatsound-CD-Veröffentlichung auf und bewies mit seinem Donau-Lied, dass auch Künstler wirklich etwas bewegen können. Hier ist der Link zum Donau-Lied: https://youtu.be/GrF8TRpJMzs

Mehr Infos zu Haindling gibt es hier: http://www.haindling.de/
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ier findet ihr auch alle Live-Termine, u.a. auf dem KultArt Festival in Krailling am 04.07.2015 und auf dem Münchner Tollwood am 05.07.2015.

Foto Startseite: ©Bayerischer Rundfunk / Lisa Hinder

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