13. Oktober 2017

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WARTEN: Kunst im Hauptbahnhof München

Bessere Zeiten (c)Veronika Veith 2015

Ausstellungsdauer: 07. bis 19. Juli 2015

Für das 13. RischArt_Projekt lädt die Kuratorin Katharina Keller Künstlerinnen und Künstler ein, sich mit dem Phänomen WARTEN auseinanderzusetzen. Die eigens für die Ausstellung entwickelten Werke werden im Hauptbahnhof München präsentiert.
Der Hauptbahnhof als Ort des Ankommens, Abfahrens, Umsteigens, Verabschiedens, Begrüssens – aber auch des Verweilens, Einkaufens und Informierens ist der ideale Ort für das aktuelle Ausstellungsprojekt. Für zwei Wochen soll hier ein sozialer Raum entstehen, ein Ort des Anregens, Mitteilens, Austauschens. Gleichzeitig ist die Ausstellung ein Angebot an Wartende, die zweiwöchige künstlerische Intervention für eine individuelle Begegnung mit den Kunstwerken, Installationen, Live Art, Performances und interaktiven Projekten zu nutzen.

Aber was ist überhaupt WARTEN? – Ein Ereignis kommen zu sehen und dessen gewärtig zu sein. Innehalten, Stillstand, Abwarten. Im Zentrum unserer Zeit steht hingegen die effiziente Nutzung von Zeit.
Ratgeber zum Thema Zeitmanagement füllen die Regale der Buchhandlungen, in Seminaren und Coachings kann man lernen, mit seiner Zeit effektiver und gewinnbringender umzugehen. Wir sind immer in Bewegung, Stillstand ist gleichbedeutend mit Ineffizienz. Selbst die Freizeit wird mit Effizienz gestaltet.
Es gibt Statistiker, die behaupten, dass der Mensch bei einer Lebenserwartung von 70 Jahren durchschnittlich 5 Jahre mit WARTEN verbringt. Ist das viel oder wenig Zeit? Warum spricht man von Zeit „verschwenden“? Und warum setzen viele Menschen WARTEN mit Langeweile gleich? Oder könnte WARTEN im Sinne Andy Warhols nicht auch „the idea of waiting for something makes it more exciting“ sein?

Und dann gibt es eine ganz andere, sehr persönliche Form des WARTENS, eine Art von romantischer Kontraposition: warten, manchmal ein ganzes Leben lang, auf die »große Liebe«, auf Glück, auf eine Nachricht oder einen Anruf, warten auf die Geburt eines Kindes, in der Kindheit auf die Jugend, als Jugendlicher auf das Erwachsensein und das unausweichliche Warten auf den Tod. Diese Ereignisse und damit verbundene Sinnfragen zählen in der heutigen Zeit möglicherweise zu den letzten großen Tabus. Und ist es nicht die im Prozess des Wartens zwangsläufig eintretende Vergegenwärtigung gerade jener unausweichlichen existenziellen Ereignis folgen, die das Warten stigmatisiert und einem zeittypischen Aktionismus Vorschub leistet, selbst dann, wenn er ins Leere läuft?
Was tun Menschen, wenn die Zeit zum Stehen kommt? Verändert sich das WARTEN mit der jeweiligen Situation? Touristen etwa nutzen ihre Wartezeiten anders: als Atempause oder einfach nur, um anzukommen. Dagegen empfinden die meisten von uns die zahllosen alltäglichen Situationen des unfreiwilligen Wartens als vertane Zeit.

Im Münchner Hauptbahnhof, der zugleich von dauerhafter Bewegung wie von temporärem Stillstand gekennzeichnet ist, soll eine vielfältige Perspektive auf das WARTEN entstehen – als Angebot für alle Wartenden mit Wartefahrplan: zur Verinnerlichung, zum Sehen, Hören und interaktiv mitmachen, zur Anregung, Vergegenwärtigung, zum Innehalten … oder einfach zum Freuen.

Künstler
Dörthe Bäumer, Matthias Beckmann, Willi Dorner, Ute Heim, Franziska und Sophia Hoffmann, Ligna, Wolfgang Stehle, Clea Stracke + Verena Seibt, Veronika Veit, Doris Weinberger

RischArt_Projekte
Mit großem Engagement geht Gerhard Müller-Rischart bereits seit 1983 in der Kunstförderung neue Wege. Unter dem Signet RischArt regt er Künstler an unter immer neuen Rahmenbedingungen Kunst in den öffentlichen Raum zu bringen.
Von Anfang an boten die RischArt_Projekte ein Forum für künstlerische Positionen, die nach neuen Formen der Präsentation suchen und gezielt in den Dialog mit ihrer architektonischen, sozialen und gesellschaftlichen Umgebung treten. Inzwischen sind diese Projekte Teil des kulturellen Lebens in München geworden. Gerhard Müller-Rischart wurde 2008, unter anderem für sein Engagement für die Kunst, vom Oberbürgermeister der Stadt München mit der Medaille München leuchtet in Gold ausgezeichnet. 2013 erhielten Gerhard Müller-Rischart und Magnus Müller-Rischart für ihr besonderes Engagement den Deutschen Kulturförderpreis.

Initiatoren
Gerhard Müller-Rischart, Magnus Müller-Rischart

Kuratorin
Katharina Keller, Freie Kuratorin und Künstlermanagerin. Hat 11 von insgesamt 13 RischArt_Projekten kuratiert.

Organisatorische Leitung
Kirsten Wengmann, Wengmann + Rattan, Eventmarketing

Termine
Ausstellungsdauer: 07. bis 19. Juli 2015
Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 20 Uhr
Ort: Hauptbahnhof München

Besucherservice
Kunstpersonal mit Uniformen gestaltet von der Deutschen Meisterschule für Mode / Designschule München, Katalog, Führungen mit der Kuratorin, Warte-App u.a.

Foto: Veronika Veit „Bessere Zeiten“, Fotomontage 2015

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