15. August 2017

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TITANIC – Die Ausstellung, echte Funde und wahre Schicksale

Wer kennt sie nicht, die Geschichte von Jack und Rose, das tragische Schicksal eines Schiffunglücks am Beispiel zweier Verliebter aus verschiedenen Welten.

Die Titanic gehört zu den bekanntesten Schiffen der Geschichte, was durch die Umstände ihres Untergangs begründet ist.

Jetzt wurde die Geschichte wieder lebendig, mit allen Facetten, die man sich nur vorstellen kann. 
In Speyer ist derzeit die Titanic Ausstellung zu sehen “echte Funde, wahre Schicksale”  – und hält was sie verspricht. Selten war ich ich so fasziniert und mitgerissen zugleich. Die Ausstellung hat mich völlig gepackt!

Schnell wird klar, auf welches große Unterfangen sich die Konstrukteure 1911 eingelassen haben. Damals bereits ein schmaler Grad zwischen Wahnsinn, Utopie und technischer Glanzleistung. Klar nach dem Schema: Je größer, luxuriöser und moderner, desto besser.
Das hier Fehler unterliefen, wie zu wenig Rettungsboote an Board der Titanic einzuplanen, fällt selbst dem Besucher am Anfang kaum auf (obwohl jeder den Ausgang der Geschichte bereits kennt!), denn zu groß ist die Vorfreude. Die Räume sind unglaublich authentisch rekonstruiert worden. Im ersten Raum ist man von überdimensionalen Fotografien der Titanic überrumpelt und erstaunt, sowie von der großen nachgebildeten Schiffswand.
Die Bilder und Plakate damaliger Zeiten ziehen jeden Besucher in den Bann und man hat das Gefühl, Teil eines eindrucksvollen Abenteuers zu sein.

Die weiteren Räume sind so unfassbar real nachgebildet, dass ich mich wirklich angekommen fühlte: Ein langer Gang durch die erste Klasse, um dann auf der nachgestellten Terrasse zu landen. Zu den unglaublich gut erhalten Funden zählen Porzellan, Glas, Besteck, sogar Geldnoten, Schuhe und Kleidung. Völlig entgeistert stehe ich vor alten Parfumflakons, deren Inschrift mir versichert, dass die Flakons immer noch einen leichten Geruch des Parfums enthalten … Aber wie kann das sein?!

Es fällt schwer zu glauben, dass diese Dinge knapp 90 Jahre, in 4km Tiefe am Meeresgrund lagen. Ich bin schwer ergriffen und vor allem mehr als neugierig. Die gefundene Antwort macht mich sprachlos! Feine Materialien und kleine, zerbrechliche Dinge wurden oftmals in Lederkoffern geborgen, welche durch die Eigenschaften des gegerbten Leders, den Inhalt sozusagen konserviert haben…
Ich fasse zusammen: Meine Leidenschaft Leder und Taschen haben ein solches Erbe geborgen und erhalten!

Die Lederkoffer und Kleider sind unter den gegebenen Umständen noch in einem fantastischen Zustand und erzählen nach so vielen Jahren weiterhin ihre Geschichte – von Freundschaft, Trauer, Tatendrang, Unterdrückung oder Liebe. Jeder der Reisenden hatte sein eigenes Ziel und zwar unabhängig welcher Klasse er reiste.

Schwer zu beschreiben, aber ich habe fast das Gefühl, vereinzelte Titanic Reisende zu kennen bzw. kennen gelernt zu haben.

Die Ausstellung geht weiter und ich befinde mich nun vor der großen, berühmten Treppe, besichtige die Räume erster bis dritter Klasse und frage mich wohin ich eigentlich gehöre.
Plötzlich stehe ich im Heizkeller, inklusive Lärm, Dunkelheit, Bilder und Geschichten der Arbeiter. Ergreifend, nicht zuletzt weil die Vorfreude und das Gefühls der “Übermacht” und “Unsinkbarkeit” der Titanic langsam wechseln, zu Unbehagen und einer leisen „Vorahnung“. Inzwischen muss nun jeder Besucher durch die bekannten, überdimensionalen Wasserschotten durch. Totale Beklemmung! Wie muss es hier gewesen sein, gefangen in dem dunklen, lauten Raum während die Titanic sank…

Inzwischen ist klar, der Eisberg wurde gerammt und die Aussagen der beiden Offiziere im Aussichtsturm alias “Krähennest” schockieren mich gewaltig:

Die Ferngläser wurden vor Abreise vergessen!

Es gab auf der Titanic alles was das Herz 1912 begehrte, sogar Erdbeeren im Winter, Badewannen, einfach jede Annehmlichkeit … und die Ferngläser wurden vergessen?!
Nach Aussage der Offiziere hätten sie den Eisberg früher gesehen mithilfe eines Fernrohres. Klingt logisch…

Ich lese die Tafeln mit offenem Mund, gehe wie gelähmt weiter und finde mich plötzlich in einem sternenverhangenen, kalten(!) Raum wieder, vor einem großen, echten Eisberg!
Die Titanic sinkt und mit Ihr alle neugewonnen Bekannt-und Freundschaften.

Alle Bilder aus dem Film “Titanic” werden wieder wach, das Orchester spielt an Deck, welches offiziell nicht als Besatzung oder Passagiere galt und daher wohl keinen Zutritt zu den Rettungsbooten bekam. Deren Entscheidung für die Passagiere bis zuletzt zu spielen, geht mir in der Kälte durch Mark und Bein. Von 2200 Passagieren überlebten 700, viele Rettungsboote fuhren unterbesetzt ab, das Ausmaß der Katastrophe unbeschreiblich.

In den nächsten Räumen sieht man die Titanic inzwischen am Boden des Meeres. Schöne und irgendwie auch liebgewonnene Gegenstände, wie die Sitzbank des Decks zweiter Klasse, liegen nun verbogen am Meeresgrund.

„Das Wrack der RMS Titanic liegt 400 Seemeilen südöstlich von Neufundland in einer Wassertiefe von etwa 3.800 Metern. Unmittelbar vor dem Untergang zerbrach das Schiff – Bug sowie Heck landeten rund 600 Meter voneinander entfernt auf dem Meeresboden. Die Wrackteile sind von einem Trümmerfeld umgeben, in dem sowohl Teile der Schiffsausstattung, als auch persönliche Habseligkeiten der Passagiere verstreut sind.
Ein Tauchgang zur Titanic dauert zwischen 12 und 15 Stunden. Man braucht alleine zweieinhalb Stunden, um das Wrack zu erreichen und ebenso lange, um an die Oberfläche zurückzukehren.“
Die Liste der verstorbenen prangt direkt vor jedem Besucher und schnell wird deutlich, dass die meisten Geretteten aus der ersten Klasse stammten. Die größten Verluste sind in der dritten Klasse zu verzeichnen. Ich frage mich ob es heute,hundert Jahre später, große Unterschiede der Liste gäbe und komme traurig zu dem Ergebnis, mir nicht sicher zu sein.
Technik, Errungenschaften der Wissenschaft und Fortschritt helfen unserer Gesellschaft und machen das Leben leichter oder sicherer. Aber müssen wir nicht genau durch solche Unfälle anfangen nachzudenken wie weit wir gehen und wie wir Menschen behandeln?
Zeit umzudenken!

Mir sticht das Zitat, von S. Kaufmann, Kuratorin im Museeum Speyer, ins Auge:
„Die Titanic war ein schwimmendes Abbild der menschlichen Gesellschaft, ein Querschnitt menschlichen Lebens. Ihr Untergang ist als Erfahrung von Größenwahn und Scheitern ins kollektive Gedächtnis eingegangen. Gleichzeitig berühren der Mut und die menschliche Größe vieler Passagiere und Besatzungsmitglieder im Angesicht der Katastrophe die Menschen bis heute.“

Am Schluss stehe ich vor einer Tafel, welche die letzte Überlebende des Titanic Unglücks zeigt, Millvina Dean, die als Baby auf der Titanic reiste und 2009 verstarb. Ihr Bruder verstarb exakt am Unglückstag der Titanic, nur 80 Jahre später…

Abschließend möchte ich mich noch beim historischen Museum Speyer für die gelungene Ausstellung, sowie der Bereitstellung von Bildmaterial und Pressetexten herzlich bedanken.

Bildnachweis: ©2010 RMS Titanic,Inc., a subsidiary of Premier Exhibitions, Inc.
Fotos: Peter Haag‐ Kirchner
Videoquelle: Historisches Museum der Pfalz Speyer   www.museum.speyer.de

Alle weiteren Infos unter: www.titanic-dieausstellung.de 

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