23. September 2017

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Slow down

Ursula

Immer öfter springt mir im Stadtgebiet das Angebot einer offenbar neuen, afrikanischen Kaffeesorte in manchmal kunstvoll verschnörkelter, manchmal eher schlampiger Kreideschrift entgegen. Ob es auch Kaffee Senegal gibt? Wie schmeckt Kaffee Togo? Eine in der City lebende Freundin klärt mich auf. Kein afrikanischer Staat, sondern mehr oder minder heißer Kaffee im geschmacklich variierenden Plastik- oder Pappbecher zum Mitnehmen sei gemeint. Der Kaffee wird emsig durch einen kleinen Schlitz gesaugt, während man sich slalomartig zwischen seinen zur Arbeit eilenden Mitmenschen bewegt. Man ist gut beraten, darauf achten, den Ellenbogen des becherhaltenden Armes eng am Körper zu halten, sonst wird man angerempelt und bekleckert sich oder verbrennt sich den Mund. Kaffee Togo entspricht dem Zeitgeist. Immer unterwegs, immer in action, immer alles am Mann oder der Frau. Kaffee Togo, Sandwich Togo, Schweinebraten Togo. Ich finde das zum Davonlaufen. Es geht doch nichts über einen wohltemperierten Kaffee aus einer Porzellantasse, gemütlich im Sitzen eingenommen, während man seine dynamischen Zeitgenossinnen und – genossen dabei

beobachtet, wie sie sich fluchend Kaffee Togo von der Kleidung wischen. Im Gehen essen, im Gehen trinken, dabei wird möglichst noch telefoniert, gesurft oder getwittert was das Zeug hält. Dabei tun wir uns mit dem gschaftlhuberigen Verhalten nichts Gutes. Stresshormone, deren ursprüngliche Funktion es ist, unseren Körper auf Flucht oder Kampf vorzubereiten, werden eimerweise ausgeschüttet. Das sympathische Nervensystem wird ebenfalls aktiv und verlangt nach Ausgleich. Was können wir tun? Glückshormone können dem Stress entgegenwirken. Das soll nicht heißen, dass wir ständig tranfunselig auf einer rosaroten Wolke einherschweben müssen, es geht vielmehr darum, bewusst zu genießen, kleine Inseln der Entspannung in den Tag einzubauen und immer wieder innezuhalten. Das, was wir tun mit ganzer Aufmerksamkeit und Hingabe machen. Den Moment genießen. Ausreichend Bewegung und Schlaf gehören ebenso dazu. Also, mach es wie Balu, der knuffige Bär aus dem Dschungelbuch, mit Ruhe und Gemütlichkeit, das verbessert deine Lebensqualität – herzlich,  
Ursula Yngra Wieland, PhönixX Lebenscoaching