24. August 2016

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„Scheiß da nix, dann fäit da nix!“ – Django 3000 im Interview (mit Video!)

Am 30.01.2015 gibt’s was auf die Ohren: Django 3000 veröffentlichen ihr drittes Studioalbum „Bonaparty“. Wir haben Sänger & Gitarrist Kamil Müller und Geiger Florian Starflinger getroffen und mit ihnen über die neue Scheibe, die anstehende Tour mit gefühlten 12.000 Konzerten und den Hund auf ihrem Plattencover gesprochen. Unser Fazit gleich vorweg: „verrückt, narrisch – aber saucool“ sind nicht nur die Konzerte der vier Chiemgauer, sondern auch Gespräche mit ihnen. Ein Interviewbericht der etwas anderen Art.

Mit „Bonaparty“ bringen Django 3000 ein wildes Party-Album heraus, das bei den ersten Tönen schon Bock auf mehr macht. Tanzen will man, mitsingen und springen. Django 3000 gehen ins Blut. Mit Gispy-Polka-Rock-Disco-Arrangements und bairischen Liedtexten. Und das überzeugt eben nicht nur die eingesessenen Bayern, sondern auch die Finnen, Russen und, ja, eigentlich alle, wo sie live spielen. Bairisch in Russland? Sänger Kamil nimmt es gelassen: es ist „wie wenn wir Englisch singen würden. Die haben das ganz normal angenommen. (…) Uns ist es aber auch tatsächlich schon passiert, dass manche gefragt haben: Was war denn das jetzt für eine Sprache? War das jetzt Englisch oder sowas?“ „Im Endeffekt ist es egal. Die wollen feiern und tanzen. Es geht um die Melodie und den Pump und was halt auf der Bühne passiert“, sagt Florian, der bärtige Fiedler mit den vielen Tattoos und der dunklen Sonnenbrille. Da sitzen sie also, unsere Helden, die die bairische Sprache auch in die entferntesten Winkel der Erde tragen. „Oachkatzlschwoaf“ ist übrigens ausgelutscht – sowas bringt man den Nichtbayern nicht mehr bei. Aber bei Bairisch-Lernwilligen ist man natürlich großzügig: „Wenn sie uns fragen, dann sagen wir schon, dass wir es ihnen beibringen“.

Wir verstehen den Hype um die Band – zuhören macht Spaß, zusehen definitiv auch. Und dass man auch im ausländischen Publikum  „Heeee Heidi“ oder „Django Django“ mitsingen kann, glauben wir sofort. Wir geben den Jungs die Attribute „verrückt, narrisch – aber saucool“ und fragen, ob sie sich darin wiederfinden. Das tun sie. Nicht ohne die Ergänzung Kamils: „Laut sind wir gerne! Das ist das Allerwichtigste.“.
Allerwichtigst sind auch die mitgeschleppten Habseligkeiten auf Tour. Was braucht man, um eine Tour mit 38 Terminen zu überstehen? „Ich habe mir einen neuen Koffer gekauft, damit ich da meine ganzen Utensilien unterbringe. Wir haben uns vorgenommen, dass wir uns auch kulinarisch ein wenig ausrüsten: eine Kochplatte fürs Hotelzimmer und einen Wasserkocher haben wir dabei.“ Das Reisebügeleisen muss selbstverständlich auch mit. Was damit dann gebügelt wird, wird aber nicht verraten. Und was packt Kamil in seinen Koffer? „Besteck, meine Essstäbchen und meine japanischen Schälchen“. Stille. Dann Gelächter. Alles klar. Wir denken immer noch über das Reisebügeleisen nach, bekommen die Erklärung für die japanischen Schälchen aber sofort nachgeliefert, ohne überhaupt danach fragen zu müssen: „Da hast Du Sachen dabei, bei denen sich der ein oder andere vielleicht fragen würde: „Wofür brauchst du das???“. Aber wenn mir das halt in die Sinne kommt und ich habe es nicht dabei, dann werde ich nervös. Und dann leidet die ganze Show drunter!“ Ein Sänger, der während der Show an seine zu Hause vergessenen Essstäbchen denkt? Und ein tätowierter Geiger mit einem Reisebügeleisen? „Es geht ja nicht nur um Partys, es geht ja allgemein um das Lebensgefühl.“
Ach so? Dann gibt es von den CD-Aufnahmen also gar keine wilden Geschichten zu erzählen? „Total brutal war’s, als die Finnen da waren – das war Wahnsinn. Als wir mit denen im Studio waren, das war Wahnsinn. Die erste Nacht war brutal…“, „Da hätten sie uns beinahe aus‘m Hotel rausgeschmissen…“, „die drehen ja durch…“. Wir verstehen. Die anderen, die Finnen waren’s! Nach der gemeinsamen Tour waren die wohl immer noch nicht tot zu kriegen (Anm. d. Red.: „Die Finnen“ sind Jaako Laitinen & Väärä Raha, die auch bei dem Song „Bonaparty“ auf der CD zu hören sind).
Haben wir gerade laut gedacht? „Die sind ja sehr friedliche Menschen“, schiebt Kamil hinterher. „Aber drauf wie die Sau“. Was genau so „brutal“ und „Wahnsinn“ war, bleibt übrigens Django 3000’s Geheimnis. Das schallende Gelächter beim Gedanken an die Studiozeit lässt nur erahnen, was alles passiert sein könnte. Vielleicht hat man sich im Wasserkocher einen Tee aufgebrüht und diesen dann aus japanischen Schälchen getrunken, während man die Bühnenoutfits gebügelt hat. Ja, das wird’s sein. Die einleitenden Erklärungen zur Album-Entstehung haben wir natürlich auch schon vergessen: „Der Titel „Bonaparty“ ist ja eigentlich in Russland entstanden, durch das, dass wir da so eine finnische Band kennengelernt haben, die brutal drauf waren. Und mit denen haben wir einfach vier Tage lang gefeiert… und Bonaparty gemacht“.

Ach ja, das klingt ja alles wirklich ganz wahnsinnig friedlich. Geht man sich denn nicht auf den Keks, wenn man so viel Zeit miteinander verbringt? Florian: „Freilich. Und dann scheppert es mal und danach ist es wieder gut“. Das wahre Geheimnis der Django-Harmonie konnten wir dann aber doch noch aus den beiden herauskitzeln: „Das Streiten ist ja so schön, weil der Versöhnungssex danach so gut ist“, witzelt Kamil. Sie seien ja auch wirklich gar nicht so wild drauf, versichern sie uns glaubhaft. Wir sind uns sicher, dass Florian unter seiner Sonnenbrille den ehrlichsten aller Dackelblicke aufgesetzt hat.

Apropos Dackel. Da sitzt ein Hund auf dem Cover der neuen Platte. Ein großer Hund. Wem gehört der denn? „Boa, ich weiß es nicht – wem hat denn der gehört?“ rätselt Florian, während Kamil feststellt: „Es war ein Leih-Hund ein dekorierter Champion, Arna von sowieso, deutscher Meister in seiner Klasse“. Wo auch immer der riesige Hund für das Foto herkam, ist letztlich ja auch egal. Zu sehen sind auf dem Cover eben nur Champions.

Und was ist – neben einem Hund auf dem Cover – noch neu am Bonaparty-Album, Kamil? „Der Sound ist auf jeden Fall typisch geblieben – da haben wir drauf bestanden und da werden wir auch weiterhin drauf bestehen (…), denn das ist ja auch das, was Django ausmacht. Aber die Scheibe ist vom allgemeinen Sound ein bisschen fetter aufgenommen, fetter produziert worden. Er hat da riesengroße Streicher im Hintergrund gemacht!“ Florian bestätigt: „Wir haben viel Zeit in Sound investiert. Bei den ersten zwei Alben haben wir anfangs erstmal den richtigen Weg finden müssen –aber jetzt haben wir unseren Sound gefunden, so, wie er letztendlich sein sollte“.
Können wir nur bestätigen. Wir mögen den Song „Host as scho g’heat“ besonders gerne – die Ballade. Dürfen wir auch, wir sind schließlich Mädchen. Florian mag den Song auch; und „Heast‘n blean“. „Der hat einen guten Drive bekommen! Und ist ein bisschen außergewöhnlich für uns, denn er geht schon sehr stark in die Rock-Richtung. Aber es ist auch mal geil, sowas auszuprobieren … und von dem her ist es natürlich auch für uns als Musiker interessant“!

django 3000 Interview beitragsbild1

Django 3000 mit dem magazine4-Team

Unfassbar kreativ, unfassbar reich und unfassbar berühmt sind sie ja schon. Bleiben da noch Wünsche offen? Florian: „Gesund wollen wir natürlich bleiben. Glücklich und gesund – das andere passiert dann schon. Und schauen, dass wir so lange wie möglich Freude auf der Bühne haben“. Das wünschen wir ihnen auch. Und dass ihre Lebens-Bonaparty niemals endet. Und so beendet Florian dieses irgendwie wahnsinnige, aber herzerfrischend lustige Interview mit der Django-Weisheit des Jahrhunderts: „Scheiß da nix, dann fäit da nix!“ Genauso weitermachen bitte!

Mehr Infos zur Band und zum neuen Album gibt es hier:
http://www.django3000.de/

Unsere CD-Besprechung findet ihr hier: http://www.magazine4.de/es-fetzt-django-3000-mit-neuer-cd-bonaparty/

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