12. Juni 2016

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„Probiert hod a’s“: bairischer Rhythm and Blues vom Heimatsound-Gewinner Hundling

„Probiert hod a’s“: bairischer Rhythm and Blues vom Heimatsound-Gewinner Hundling

Über 200 Bands haben am Heimatsound-Wettbewerb des Bayrischen Rundfunks teilgenommen: Erstplatzierter wurde der niederbayrische Vollblutmusiker „Hundling“ mit seinem eingängigen Song „Probiert hod a’s“. Nun darf er mit seiner Band am 31.07. in Oberammergau beim Heimatsoundfestival auftreten – und auch auf dem zweiten BR-Heimatsoundsampler hat sein Song einen würdigen Platz erhalten.

Beim Heimatsound-CD-Release-Konzert am 03.06.2015 in den Räumlichkeiten des Bayerischen Rundfunks haben wir mit dem Hundling sowie seinen Musikern Max Keller und Klaus Reichardt über Online-Abstimmungen, künftige Pläne und den Wohlklang der bairischen Sprache gesprochen.

magazine4: „Probiert hod a’s“, geschafft hat er es auch: Du hast den Heimatsound-Wettbewerb gewonnen. Es haben ja viele gute Musiker teilgenommen – habt Ihr mit einem Sieg gerechnet?

Hundling: Kann man damit rechnen? Nein. Wir haben uns überhaupt nichts erwartet. Wie alle anderen haben wir zwar darauf gehofft, dass wir es schaffen könnten, aber dass wir dann sogar gleich den ersten Platz machen, das war für uns schon eine Überraschung. Es haben ja über 200 Bands teilgenommen …

Max: Erzähle von dem Anruf mit der Nachricht, dass wir gewonnen haben – das war spitze!

Hundling: Mir wurde gesagt: „Es fehlen zehn Prozent auf den zweiten Platz“. Und ich dachte mir: „Ohhh je, so ein Mist“. Dann hieß es: „Ja, denn der zweite Platz hat 10 Prozent weniger Stimmen als Du“. Aber ich war komplett auf Adrenalin, da kapiert man ja überhaupt nichts mehr … es hat dann nochmal etwa 10 Sekunden gedauert, und dann kam’s mir: Ach Mann, dann bin ich ja Erster!!!
In so einem Moment ist man einfach total aufgeregt; da kommt man bei solchen Scherzen gar nicht mehr mit … des war echt a Lackl!

magazine4: Was haltet Ihr denn von Online-Abstimmungen? Zwangsläufig gewinnt da ja nicht Qualität, sondern derjenige, der die meisten „Klicker“ mobilisiert…

Max: Das ist ein schwieriges Thema; wir haben uns da auch so unsere Gedanken dazu gemacht. Es gibt ja manche Abstimmungen, da könnte man sich hinsetzen und selbst einfach 2000 Mal auf „Ja, ich vote“ klicken – das haben wir aber nicht gemacht. Da fehlen aber bei uns auch die Kenntnisse im Computertechnischen …

magazine4: Aber ihr habt schon mal für Euch selbst gevotet, oder?!

Max: Ja, logisch. Da muss man schon ehrlich sein.

Hundling: Ich habe es am Anfang aber ein paar Tage lang vergessen! Aber als es aufs Ende des Wettbewerbs zugegingt, war uns schon klar, dass wir jetzt auf jeden Fall ein bisschen die Werbetrommel rühren sollten.

Max: Wir dachten uns eigentlich, dass wir dafür nicht professionell genug sind, um die Massen zu mobilisieren oder uns darum kümmern, dass dieses Voting läuft. Wir sind eher ein wenig verplant an die ganze Geschichte herangegangen. Wir haben auch damit gerechnet, dass jemand, der Social Media-mäßig total fit ist, am Ende gewinnt.

Hundling: …oder wer die größte Verwandtschaft hat! (alle lachen)

Max: Umso überraschender und positiver war es letztendlich, dass wir, die wir uns gar nicht so groß darum bemüht haben, gewonnen haben.

Hundling: Also ich sage so: jede Oma sind 1000 Stimmen. Mit fünf Omas hast Du schon 5000 Stimmen…

Max: Hast Du so viele Omas und Cousins und Cousinen? Wie schaut das denn da aus in Deiner Familie???

Klaus: Vielleicht lag es doch einfach am Song?!?!

magazine4: Das wollte ich gerade sagen. Letztlich ist es ja eine Auszeichnung! Man kann das schon so annehmen.

Hundling: Ja, man muss es einfach so annehmen. Und ich muss sagen: ich finde Online-Abstimmungen einfach geil! (alle lachen)

magazine4: Ist das Bairische ein Markt, auf dem man derzeit schnell Fuß fassen kann?

Hundling: Ja, da muss man auf jeden Fall voll in die Kerbe reinschlagen, finde ich.

magazine4: Aber die Konkurrenz ist natürlich auch groß.

Max: Aber wir sind ja keine Englisch-Muttersprachler, die ihre Musik jetzt auf Bairisch machen wollen und sich einen Sprach-Coach geholt haben, um Bairisch zu lernen. Bei uns war es über die Jahre hinweg immer irgendwie ein Bedürfnis gewesen, etwas in unserer Muttersprache zu machen.

Hundling: Bei mir war es reiner Zufall, dass ich dieses Projekt angefangen habe. Ich habe davor 20 Jahre mit den „Les Babacools“ gespielt, die eher Funk, Reggae und Weltmusik machen, aber eben keinen bayerischen Rhythm and Blues. Dann hatte ich noch eine andere Band, da habe ich mich auch wieder mit dem Band-Leader zerkriegt…

magazine4: „Auch wieder“??? (alle lachen)

Max: Ich habe mich mit dem aber auch zerkriegt!

Hundling: Mei, ich bin halt als Musiker und Bassist schon jahrelang in der Münchner Musikszene unterwegs – mal in dieser Band, mal in jener Band. Irgendwann spielt man nicht mehr zusammen, weil das ganze Projekt einfach einschläft oder dem Band-Leader deine Nase nicht mehr gefällt. Du hast immer Energie reingesteckt, und am Ende stehst du wieder mit leeren Händen da. Ich habe dann gesagt: Jetzt mag ich nicht mehr … und das Einzige, was ich jetzt noch machen kann, ist, mein eigener Chef zu sein – denn wenn mir meine eigene Nase nicht mehr gefällt, dann kann ich da irgendwie gnädig drüber hinwegschauen. Du kannst natürlich nur dann der Chef sein, wenn Du selber singst und die Lieder selbst schreibst. Eigentlich wollte ich immer lieber auf Englisch singen: wir Musiker denken die Sprache immer klanglich – und da hat mir das Englische wegen der nasalen Zwielaute immer besonders gut gefallen; die machen die Sprache so schön geschmeidig.

Klaus: Und die einsilbigen Wörter!

Hundling: Aber mir ist auf Englisch einfach nichts eingefallen! Und ich finde, dass Bairisch ziemlich ähnlich klingt – du hast da auch Zwielaute drin, die im Hochdeutschen nicht vorkommen: Diphthonge.

(alle lachen)

Hundling: Lasst mich halt mal ein bisschen gescheit sein! Ein bisschen „Gscheidhaferln“ muss immer sein! Auf jeden Fall ist es so, dass sich die bairische Sprache gut anhört; das ist eine riesen Gaudi, weil ich beim Schreiben auch ganz viele Begriffe, Redewendungen und Wörter einbauen kann, die ich im Alltag schon lange nicht mehr benutzt habe.

magazine4: Ihr spielt jetzt auch viel live. Seid ihr richtige Live-Kinder?!

Hundling: Auf jeden Fall – wir sind ja alle gestandene Musiker, die schon jahrelang in Rhythm and Blues-, Jazz- oder Raggae-Bands gespielt haben. Frag mal den Klaus, wo der schon überall gespielt hat!

Klaus: Also, er wollte für zwei Songs eine Pedal Steel Guitar dabei haben – das ist ein relativ seltenes Instrument, zu dem ich eigentlich durch Zufall gekommen bin. Ich habe beim Ringsgwandl gespielt, und der wollte irgendwann mal Country-Musik machen. Also hat er mich gefragt, ob ich Pedal Steel lernen möchte. Ich hatte dieses Ding dann zuhause und war begeistert! Und beim Nick Woodland spiele ich auch. Dann habe ich hier bei den Jungs einen Gig mitgespielt und es hat gefunkt.

Hundling: Ich habe mich am Anfang gar nicht fragen getraut, ob er bei uns mitspielt. Da waren die Gedanken: Der hat beim Ringsgwandl gespielt, der spielt jetzt beim Nick Woodland – und ich kleiner Scheißer frage den jetzt…. Aber ihm hat die Platte gefallen, die jetzt dann rauskommt.

Klaus: Die Musik macht Spaß!!!

Hundling: Auf der Bühne fühlt es sich auch gut an; wir haben sofort zueinander gefunden. Und Max erzähl noch ein bisschen was über Dich!

Max: Was soll ich denn jetzt über mich erzählen??? Großartig natürlich, großartig! (lacht)

Hundling: Er hat auch schon in einer Reggae-Band und auf den ganz großen Bühnen gespielt. Jetzt hat er auch eine Rhythm and Blues-Band am Chiemsee; die spielen alles rauf und runter, was im Rhythm and Blues-Bereich Rang und Namen hat. Das sind also genau die richtigen Leute für meine Sound-Vorstellung: amerikanischer Nashville-Sound mit bairischen Texten.

Klaus: Der Max spielt auch schön Harp, Mundharmonika und Flügelhorn.

magazine4: Dann brauchen wir jetzt nur noch einen Ausblick, was wir künftig von Euch erwarten dürfen.

Hundling: Wir haben gerade einen Wahnsinns-Auftakt – wir hätten gar nicht erwartet, dass wir so gut aufgenommen werden. Wir werden jetzt viele Festivals spielen: im Theatron, auf dem Tollwood, natürlich auf dem Heimatsound-Festival, Stadtgründungsfest, Isarinselfest …

Max: Man kommt uns kaum aus dieses Jahr. Wenn man uns nicht mag, hat man echt Pech gehabt!

Mehr Infos zum Hundling: http://hundling.net/

Hundling live – alle Termine findet Ihr hier: http://hundling.net/termine-3/

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