7. September 2017

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Nymphenburger Majolika Event 2015

Nicht oft bietet sich die Gelegenheit, hinter die Kulissen der Nymphenburger Porzellanwerkstätten zu sehen. Im Schoßrondell gelegen erstrecken sie sich in weitläufigen Gärten hinter den Mauern, gegenüber des Schlosses. So alt wie die Fertigungstechniken ist auch die Antriebstechnik. Sie wird heute noch wie damals zum größten Teil mit Wasserkraft aus dem hauseigenen Wasserrad in der Würm mechanisch betrieben. Über Achsen, Bänder und Gestänge wird die mechanische Kraft auf die einzelnen Ateliers an Drehteller und Rührmaschinen verteilt. „Dies ist immer noch die Methode mit den geringsten Wartungskosten und gar nicht vergleichbar mit elektrisch betriebenen Werkzeugen, und es ist eben die traditionelle Methode“ so Frau Doppelbauer, Marketingleiterin und Pressesprecherin der Nymphenburg Manufaktur.

magazine4 durfte sich am Wochenende des 9./10. Mai ein wenig in den kunsthandwerklichen Ateliers der Majolika Manufaktur mit interessierten Augen umsehen.

Mit einer kurzen Unterbrechung, in den 70er Jahren, wird Majolika seit rund 160 Jahren zu Skulpturen, Figuren und Fliesen verarbeitet. Die Unterbrechung kam zustande, da die Beschwerden der Anwohner aus den angrenzenden Stadtvierteln des Nymphenburger Schlosses über den Ruß, der damals noch mit Torf befeuerten Brennöfen, überhand nahmen. Der Name „Majolika“ rührt tatsächlich von der Insel Mallorca her, von der aus im maurischen Spanien Fayence nach Italien exportiert wurde.

Die rötlich braune Grundmasse wird nach strenggehüteten Rezepturen aus verschiedenen Tonerden sowie Porzellan gemischt. Die Besonderheit daran ist ihre hohe Eigenfestigkeit, sowie die Möglichkeit, die Werkstücke so zu brennen, dass sie später frostsicher sind und so ganzjährig in Gärten oder auf Terrassen belassen werden können. Auch die Fliesen eignen sich als Ofenschmuck oder für Aussenfassaden durch ihre hohe Beständigkeit, zu sehen z.B. an der Schauseite des Maximilianaeums oder in den Bädern des Rocco Forte Hotel „The Charles“ in der Sophienstraße.

Die hohe Eigenfestigkeit ermöglicht zusammen mit einem speziellen Ofen, Werkstücke von der Fliese bis zu Vasen mit einer Höhe von 1,70m zu produzieren. So können Vasen und Pflanzgefäße in besonders großen Dimensionen gefertigt werden. Nach dem ersten Brand „Schrühbrand“ wird eine Schicht weiße Zinnglasur aufgetragen, die den Untergrund für die spätere Bemalung bietet. Die leuchtenden Farben werden nach alten Verfahren vor Ort aus Pigmenten angemischt, deren Rezepturen in Nymphenburg festgehalten werden. Die Verarbeitung dieser Farben benötigt Wissen um deren Aussehen nach dem Brand, das nur in jahrelanger Übung erworben werden kann und traditionell von Meister zu Lehrling weitergegeben wird. Zumeist bleiben die Lehrlinge über die verschiedenen Stufen dieses Kunsthandwerks bis zu ihrem Karriereende in der Manufaktur.

Vielfach nachgefragt sind die bis zu 1,50m großen Figuren nach Entwürfen von Josef Wackerle aus dem frühen 20. Jhdt. Aber auch nach Formen aus dem 17. Jhdt wird noch gefertigt, sowie neue Entwürfe junger Designer umgesetzt. Die Gefäße und Figuren werden oftmals aus mehreren Einzelteilen gefertigt und anschließend zusammengesetzt.

Dem Majolika Meister durften wir etwas bei seiner Arbeit zusehen. Er fertigt derzeit eine später 1,70m hohe Vase an, ähnlich der, die in der Galerie zu sehen ist. Schicht für Schicht wird die Vase aus ca. 5cm breiten Streifen aus Majolika aufgebaut, um eine in etwa gleiche Wandstärke zu erzielen, damit später beim Brennen keine Unebenheiten und Verwerfungen entstehen. Jede einzelne Schicht muss luftdicht mit der darunterliegenden verbunden und glattgestrichen werden. Dabei wird darauf geachtet, dass die Vase eine bestimmte Feuchtigkeit behält. Bis zum Brand lässt das Material sich noch leicht, z.B. mit dem Fingernagel eindrücken. Erst die fertige Vase wird langsam und gleichmäßig vor dem Brand getrocknet. Vom Boden bis zum getrockneten Stück werden so ca. 3 Monate benötigt.

In Nymphenburg wird auch individuell auf Kundenwunsch gefertigt. Von der Zeichnung bis zum fertigen Stück wird eng mit dem zukünftigen Besitzer zusammengearbeitet. Besonders Innenarchitekten bedürfen oftmals individuell gestaltete Fliesen, die dann auch nur für diese gefertigt werden.

Als besondere Spezialität wird die Anfertigung eines Kopfes als Porträt nach Kundenwunsch angeboten. In der Ausstellung gibt es „echte“ sowie Köpfe, die aus der Phantasie entstanden sind, zu bestaunen.

In den Gärten der Manufaktur sind die verschiedensten Pflanzgefäße, Figuren und Brunnen aufgebaut. Roh belassen, mit weißer Zinnglasur oder fertig bemalt kann man sie dort bewundern. Kein Laut dringt aus den umliegenden Vierteln, keine Autos sind zu hören. München kann nur froh sein, dass im Jahr 2011 Prinz Luitpold von Bayern die Manufaktur in seine Besitzungen eingemeindete. Eine wahrhaft königliche Atmosphäre, in der dort gearbeitet werden darf.

Web: www.nymphenburg.com

Fotos: ©magazine4/Dominik v.Nostitz

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