23. Mai 2016

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Neue Chancen für Kreative beim Snowdance Filmfestival – Heiner Lauterbach im Interview

Heiner Lauterbach

Vom 30.01. bis 01.02.2015 findet in Landsberg am Lech das zweite „Snowdance Filmfestival“ statt – ein starkes Projekt für kreative Filmschaffende, das bereits im letzten Jahr für großes Interesse sorgte. Die Festivalbegründer Heiner Lauterbach, Tom Bohn und Jürgen Fahrenholtz bieten mit dem dreitägigen Event eine Plattform für deutsche Nachwuchstalente der Filmbranche.

Geboten wird alles, was zur Filmindustrie dazugehört: Speed-Castings, Seminare für Drehbuchautoren und Nachwuchsregisseure, Workshops zur Casting-Vorbereitung – und die Möglichkeit, sich mit Kollegen, Newcomern und insbesondere Fachleuten der Branche, wie Heiner Lauterbach, auszutauschen. Die besten Filme des Festivals werden von einer Fachjury, die u.a. mit Schauspieler Kai Wiesinger besetzt ist, ausgezeichnet. Und sogar Nora Tschirner gibt auf dem Festival ihr Regie-Debüt.
Ganz Landsberg ist im Film-Fieber: drei Tage voll spannender Filme, cooler Partys und angesagter Rockkonzerte liegen vor dem beschaulichen Städtchen. Heiner Lauterbach als einer der Initiatoren des Festivals sprach mit uns im Interview über sein Herzensprojekt.

magazine4: Dieses Jahr findet das 2. Snowdance Filmfestival statt. Gibt es dort dann „Heiner Lauterbach zum Anfassen“? Können die Nachwuchs-Filmemacher auch mit Ihnen direkt ins Gespräch treten und sich Tipps holen?

Heiner Lauterbach: Ja, selbstverständlich! Ich gehe da überall hin, natürlich auch zu dem Speed-Casting. Wie letztes Jahr eigentlich, da war ich auch die ganze Zeit vor Ort.

magazine4: Wenn Sie jemanden kennenlernen, der gerne Filme machen möchte, aber einfach kein Talent oder keine so guten Ideen hat – sagen Sie ihm das dann? Und wenn ja, wie?

Heiner Lauterbach: Ja, wobei ich innerhalb eines einzigen Gespräches nicht feststellen kann, ob da Talent vorhanden ist – es sei denn, es ist ein Vollidiot, dem man gleich anmerkt, dass er keine ernsten Absichten hat. Ansonsten muss man ja erst einmal die Arbeiten eines neuen Filmemachers begutachten und sich auch länger mit ihm beschäftigen. Aber ich sage auf jeden Fall meine Meinung. Ich glaube, es ist keinem damit geholfen, wenn man ihm nach dem Mund redet. Für viele junge Leute ist das ja auch ein wichtiger Schritt ins Leben – und ich finde, dass man einen Beruf ausüben sollte, der einem nicht nur Spaß macht, sondern zu dem man auch befähigt ist … wenn man das irgendwie bewerkstelligen kann.

magazine4: Sie haben ja auch weitere bekannte Personen wie Kai Wiesinger in der Jury. Die Filme werden also erstklassig bewertet. Was springt für die Gewinner des Filmfestivals heraus?

Heiner Lauterbach: Solche Auszeichnungen sind natürlich zielführend für weitere Aufträge, weitere Festivals und weitere Aufgaben. Ich glaube schon, dass Produzenten, Filmschaffende und Entscheidungsträger auf so etwas achten. Es ist auf jeden Fall ein „Hallo!“-Zeichen in die Branche.

magazine4: Nehmen wir einmal an, Sie sehen auf dem Festival Material von einem Newcomer, das Ihnen sehr gut gefällt. Kann es dann auch sein, dass Sie mit demjenigen zusammenarbeiten möchten?

Heiner Lauterbach: Ja, klar! Ich bin in diesem Beruf ja nach wie vor in vielen Funktionen tätig – ich bin Schauspieler und habe eine eigene Produktionsfirma. Da könnte es schon passieren, dass ich jemanden frage, ob er nicht Lust hätte, für unsere Firma zu arbeiten; oder sogar vorschlage, unter ihm als Regisseur zu arbeiten. Da sind Tür und Tor geöffnet.

magazine4: Wieso haben Sie sich Landsberg am Lech für das Festival ausgesucht? Warum nicht eine große Stadt wie etwa München?

Heiner Lauterbach: Da Tom (Anm. d. Red.: Thomas Bohn, Regisseur und Mitbegründer des Snowdance Filmfestivals) am Ammersee wohnt und ich am Starnberger See, sollte es nicht allzu weit von uns entfernt sein. Mit dem Titel „SNOWdance“ bietet sich Bayern natürlich sehr gut an. Dann haben wir eine Stadt gesucht, eine kleinere Stadt, in der die Wahrscheinlichkeit, dass es im Winter schneit, gegeben ist, und die ideale Voraussetzungen bietet – und das tut Landsberg! Die Voraussetzungen sind von Allem her ideal: von der Größe, der Logistik, und dann ist da auch dieser große Marktplatz, auf dem fast alles stattfindet. Dort sind auch mein Hotel, in dem ich wohnen werde, und das Bürgermeisteramt. Man kann zu Fuß gehen und alles bequem erreichen, und Landsberg ist wirklich ein schönes Städtchen. Hinzu kommt: der Bürgermeister und all die Leute, die uns wahnsinnig helfen; alle sind unglaublich nett, zuvorkommend, hilfsbereit, engagiert und leidenschaftlich … bis hin zu der Bevölkerung! Mir war es letztes Jahr schon sehr wichtig, dass wir uns während der gesamten Festivalzeit bitte so verhalten, dass wir gerne gesehene Gäste sind, die im nächsten Jahr wiederkommen können. Das habe ich auch all unseren Mitarbeitern sehr ans Herz gelegt. Und es ist uns gelungen: die Leute freuen sich wieder sehr auf das Festival! Landsberg ist perfekt für uns – und das macht dann natürlich einfach Freude.

magazine4: Wenn man das Festival auf facebook verfolgt, dann merkt man: ganz Landsberg ist „infiziert“ – kann jeder mitmachen und seinen Shop oder Laden zur Verfügung stellen? Oder haben Sie mittlerweile schon zu viele Anfragen?

Heiner Lauterbach: Wir expandieren sehr und sind auch schon viel größer als letztes Jahr. Wir haben unglaublich interessante Filme im Angebot und freuen uns über jegliche Aktivitäten. Von der Stunde Null an haben wir versucht, das Ganze möglichst breitflächig aufzuziehen: mit dem Speed-Casting, den kleinen Rockkonzerten und all diesen tollen Ideen. Wir haben natürlich auch ein bisschen gelernt: zum Beispiel werden wir von dieser Technik-Show absehen, weil das eben einfach zu technisch war. Ja, so werden wir uns sukzessive nach vorne arbeiten und versuchen, von Mal zu Mal einen besseren Mix zu finden. Man muss ja im ganzen Leben aus seinen Fehlern lernen – und das tun wir auch.

magazine4: Ein Tätowierer in Landsberg bietet z.B. an, das Logo des Festivals, eine Schneeflocke, gratis zu tätowieren. Haben Sie auch schon so ein Tattoo?

Heiner Lauterbach: (lacht) Nein – ich habe keine Tattoos! Ich muss meinen Kindern ja ein gutes Beispiel sein, und ich bin froh, wenn die sich nicht tätowieren lassen. Dann darf ich natürlich nicht damit anfangen.

magazine4: Die Inspiration zum Festival kam durch Robert Redfords Sundance Filmfestival – was hat Sie daran besonders fasziniert?

Heiner Lauterbach: Die ganze Initiative von Robert Redford, der sich als gestandener, amerikanischer Filmstar dieser Thematik angenommen hat, fand ich sehr beispielhaft. Mir hat das Konzept gefallen – und dann kann man sich dem ja ruhig anschließen und auch seine Sympathie durch die ähnliche Namensgebung bekunden.

magazine4: Haben Sie Robert Redford auch mal getroffen, um sich über die Ideen, Vorgehensweisen, Konzepte auszutauschen?

Heiner Lauterbach: (lacht) Ne, das haben wir auch nicht wirklich forciert. Meines Wissens hat er von unserem Festival gehört und uns alles Gute gewünscht. Wir haben uns aber nicht darum bemüht, ihn einzuladen. Bei seinem Projekt ist alles sehr transparent; wir konnten uns auch einiges abgucken. Wenn sich irgendwann mal eine Frage auftun sollte, die wir partout nicht lösen können, dann können wir uns ja immer noch überlegen, ihn anzuschreiben.

magazine4: Mir gefällt das breite Spektrum des Festivals – neben den Filmen gibt es die Möglichkeit des Austauschs, Casting-Workshops, Seminare für Regisseure und Drehbuchautoren. Das ist ein riesiges Angebot – wie lange haben Sie für die Vorbereitungen gebraucht?

Heiner Lauterbach: Wir haben wahnsinnig fleißige Mitarbeiter, und natürlich auch den Tom Bohn, der sich mit dem Jürgen (Anm. d. Red.: Jürgen Farenholtz, Marketingagent) zusammen unglaublich einbringt. Wie lange man braucht – das ist immer schwer zu sagen; die Jungs und Mädchen arbeiten ja eigentlich Tag und Nacht daran.

magazine4: Da fangen die Planungen für 2016 wahrscheinlich direkt nach dem diesjährigen Festival sofort wieder an, oder?!

Heiner Lauterbach: Ja, vielleicht sind ein oder zwei Monate Pause, aber dann geht’s schon wieder los. Zum Beispiel mit der Sponsorensuche: ich erinnere mich, wir waren im Februar oder März letzten Jahres direkt nach dem letzten Festival bei SKY, die ja dann auch unsere Hauptsponsoren geworden sind. Eigentlich hat man rund um die Uhr zu tun.

magazine4: Man merkt, dass das Festival eine Herzenssache für Sie ist – welche Punkte liegen Ihnen dabei besonders am Herzen?

Heiner Lauterbach: Es geht um die Sache als solches; es geht darum, in Deutschland junge kreative – oder auch ältere … das ist eigentlich wurscht – kreative Filmschaffende zu finden, die sich durch ihre Qualität, ihren Einfallsreichtum, ihre Originalität, ihren Fleiß, ihren Ehrgeiz und ihre Leidenschaft in die Lage bringen, sich dem internationalen Wettbewerb zu stellen. Das ist der Plan: dass wir in Deutschland mit emotionalen, großen Kinofilmen möglichst bald international wettbewerbsfähig werden. Und es ist schwer genug mit den spärlichen Mitteln, die wir im Vergleich zu den Amerikanern zur Verfügung haben.

magazine4: Was sind Ihre nächsten Pläne?

Heiner Lauterbach: Ich drehe im Februar/März zwei Fernsehfilme. Für die ARD bereiten wir einen großen Zweiteiler vor, und im Sommer drehen wir dann mit meiner eigenen Firma einen Kinofilm.

magazine4: Da wünschen wir Ihnen ganz viel Spaß und Erfolg! Danke für das nette Interview!

Weitere Infos zum Filmfestival findet Ihr in unserem Artikel: http://www.magazine4.de/filme-partys-konzerte-castings-snowdance-independent-filmfestival/

Weitere Infos:
http://www.snowdance-filmfestival.de/
www.facebook.com/Snowdance.Filmfestival.Landsberg
http://www.heinerlauterbach.de/

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