25. Oktober 2017

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Leuchten statt verbrennen – Burnout

Leuchten Sie noch oder verbrennen Sie schon? Burnout ist in aller Munde, in jedem Magazin und in Bayern möchte man sogar Burnout-Scouts in die Unternehmen schicken. Der Begriff und die Diagnose Burnout existiert allerdings schon seit 1975, geprägt von dem amerikanischen Psychologen Dr. Freudenberger. Wir sind also einmal wieder weit hintendran. Wie generell bei allem, was die Psychohygiene betrifft. In den USA gehört es längst dazu, seinen „shrink“, also Seelenklempner zu haben, mit dem man seine Problemthemen bespricht, sich coachen lässt und mit dessen Unterstützung man sich um seelische Verletzungen kümmert. Hierzulande ist es noch mit viel Scheu und Scham behaftet, zu einem Therapeuten zu gehen, man ist doch schließlich nicht verrückt. Das Bild des Weißkittels mit Stethoskop auf dessen Wink die Männer mit der Zwangsjacke herbeieilen und die Unglücklichen zur Elektroschockbehandlung wegschleifen scheint noch allgegenwärtig zu sein.
Aber zurück zum Burnout –  inzwischen Modediagnose, manch einer verkündet sogar fast stolz, „bald ein Burnout zu haben“. Betroffene

wissen, dass es nicht erstrebenswert ist, davon belastet zu sein. Im schlimmsten Fall kann die Ohnmacht und Verzweiflung so gross sein, dass der Ausgebrannte keinen anderen Weg sieht, als Suizid zu begehen. Ein oft jahrelanger Leidensweg geht voraus, bis es einfach nicht mehr geht, bis sich Angststörungen, Depressionen und Panikattacken zur Erschöpfung dazugesellen und dem Ausgebrannten nichts anderes übrig bleibt, als sich für lange Zeit krankschreiben zu lassen. Die meisten Burnout-Klienten sagen mir, sie hätten immer wieder geglaubt, selbst aus dem Sog herauszukommen. Das Gefühl, versagt zu haben, nicht leistungsstark und den täglichen Herausforderungen gewachsen zu sein, rufe große Selbstzweifel und Scham hervor, die man kaum einer anderen Person anvertrauen könne. Aber die Erleichterung derjenigen, die den Schritt wagen, sich Hilfe zu holen ist groß. Eine gewaltige Last fällt ab.
Die Betroffenen sind froh, die Verantwortung teilen zu können, an die Hand genommen zu werden und Schritt für Schritt wieder zu sich selbst hingeführt zu werden. Denn darum geht es bei Burnout.

Zu lernen, die eigenen Bedürfnisse wieder wahrzunehmen, achtsam mit sich selbst umzugehen, bei sich zu bleiben. Auch Grenzen setzen und halten, Nein sagen und Selbstreflexion darf wieder oder vielleicht zum ersten Mal erlernt werden. Neben der Aufgabe, sich Freiräume zu schaffen, immer wieder innezuhalten und den eigenen Rhythmus zu spüren gilt es, Suchtgifte wie Koffein, Nikotin, Alkohol und Beruhigungsmittel durch gesunde Ernährung, Bewegung und ein gesundes Gleichgewicht zwischen Arbeit, Familie, sozialen Kontakten und Hobbies zu ersetzen. Im Spanischen gibt es den schönen Ausdruck „manana“. „Manana“ steht für eine Lebenshaltung, die ein Mantra für alle Ge-und Verbrannten sein sollte. „Ma?ana“ heißt, nichts über´s Knie zu brechen, sondern erstmal abzuwarten, Dinge geschehen zu lassen und nichts krampfhaft zu erzwingen. Im Hier und Jetzt sein, das, was man gerade tut, mit vollem Bewusstsein zu tun. Fangen Sie gleich damit an. Schauen Sie sich um. Auf was fällt Ihr Blick? Lauschen Sie in sich hinein. Welche Gefühle sind da gerade? Wie geht es dem Körper? Welche Gedanken denken Sie jetzt?

Genießen Sie die Sonne oder die Luft, wenn Sie auf den Bus warten. Damit wird das Leben entschleunigt. Irgendwie ruhiger. Probieren Sie es gleich aus. Leuchten Sie, anstatt zu verbrennen!

Ursula Yngra Wieland, PhönixX Lebenscoaching