5. September 2017

You are here: / Kino / Menschen / Munich Inside / Interview mit Adrian Can

Interview mit Adrian Can

Interview mit Adrian Can

Adrian Can, Schauspieler, geboren in Istanbul und aufgewachsen in München stand magazine4 zu einem Interview über Schauspielerei und seine Heimat Schwabing zur Verfügung. Bekannt ist Adrian Can z.B. aus „Marienhof“, „SOKO 5113“ als Dr. Yasar, „SOKO Stuttgart“ sowie mehreren Auftritten beim „Tatort Dortmund“. Wir trafen ihn kurz nach seinem Urlaub in Los Angeles in München.

magazine4: Seit wann wohnst Du in München?

Adrian Can: …Spätsommer 72, seitdem bin ich hier. Ich hatte mal eine Auszeit, in der ich mal zweieinhalb, fast drei Jahre in Berlin war.

magazine4: Auch in Sachen Film?

Adrian Can: Ja, natürlich habe ich dort auch gedreht. Das hat sich aber erst in Berlin ergeben.

magazine4: Deine Plätze, Deine Wege in München?

Adrian Can: Ich hatte das Glück, dass ich direkt sofort in diesem Haus hier in Schwabing gelandet bin. Und hier eben seit 43 Jahren lebe.

magazine4: Und das erdet Dich als Mensch?

Adrian Can: Ja, das hat hier schon fast Tradition. Hier wohnen ja inzwischen noch mehr Cans im Haus. Ich würde es als Heimat betiteln, als erste Heimat. Ich bin seit meinem ersten Tag Schwabinger, stolzer Schwabinger, mein Leben lang gewesener Schwabinger – bis auf die zweieinhalb Jahre. Ich habe auf Grund meines „hohen Alters” noch die Ausuferungen gesehen, die lustigen Nachmittage der Menschen, die hier den Rigan Club verlassen haben – das heutige „Wassermann”. Ich war erst neun oder zehn Jahre alt und habe nicht begriffen, was mit den Leuten da los war – mittlerweile weiß ich’s! (lacht)
Hier herrschte mal ein sehr, sehr großes Konglomerat an frei denkenden Menschen. Das ist jetzt leider nicht mehr so. Gegenüber wohnte Herr Fassbinder vier Jahre lang, in der Clemensstraße 76, im vierten Stockwerk. Man kann von hier aus rüberschauen. Habe ich leider auch verpasst, auch zu jung gewesen, da war ich allerdings erst acht. Hätte ich das alles gewusst – wow!

magazine4: Dadurch spielte die Schauspielerei unbewusst eine Rolle?

Adrian Can: Ja! Hier unten ein paar Läden weiter fanden Dreharbeiten statt, da war ich acht oder neun. Und habe zum ersten Mal im „real life“ Herrn Fischer kennenlernen dürfen. Herrn Helmut Fischer! Ich war so klein, und er war leicht angedüdelt und hatte noch einen Weißwein da. Er saß da vor der Tür, ich weiß nicht, ob es schon Feierabend-Wein gab oder ob es zu seiner Rolle gehörte. Ich meine, es war so am späten Nachmittag. Es war wohl offensichtlich Sommer. Es war gleißender Sonnenschein, gleißendes Sonnenlicht. Film hat hier schon immer stattgefunden.

magazine4: Das war so die erste Berührung mit Film von Schwabing aus. Wie bist Du auf den Gedanken gekommen, Schauspieler zu werden?

Adrian Can: Das ist jetzt eine schwierige Frage… „den“ Gedanken an sich könnte ich jetzt nicht benennen. Das hat sich über eine längere Periode hinweg entwickelt. Ich kann mich erinnern, angefangen hat es damit, dass ich eben dadurch aufgefallen bin, mit drei bis vier Jahren schon Filme geguckt zu haben. Ich habe natürlich auch Comics geguckt, ich hatte aber vorwiegend Interesse an Western. Ich habe auch Bugs Bunny geliebt. Offensichtlich war ich ein Abhängiger des Mediums. Wieso, weiß ich nicht, ich bin da auch der Erste in meiner Familie, der sowas … Idiotisches macht. (lacht)

Aber wenn man dann so seine Gage zeigen kann, finden sie es schon nicht mehr so idiotisch. Gilt natürlich immer nur für einen Teil.

magazine4: Wie sehen Deine Eltern Deine Erfolge?

Adrian Can: Ganz ehrlich, es würde mir schon sehr sehr taugen, wenn meine Eltern es noch mitbekommen, dass ich es geschafft habe. Sonst wäre es nur die Hälfte wert. Oder dass mein Bruder es noch mitbekommt, die haben es ja auch an schlechten Tagen gesehen, wie das dann so ist. Denen würde ich es am meisten gönnen. Mein Bruder wird es wahrscheinlich definitiv erleben. Bei meinen Eltern – ich hoffe es, sie sind beide gesund. Ich hoffe, sie bekommen es noch mit. Irgendwann mal, wenn es halt wirklich erfolgsmäßig gekracht hat, und man erzählen kann, dass man damit Geld verdient. Und da hoffe ich eben, dass ich da durchkomme, und wir werden es irgendwann erleben! Ich mach das jetzt seit 18 Jahren.

magazine4: Was war Dein erster Dreh?

Adrian Can: Mein erster wirklich großer richtiger Dreh war – auch ein fetter Dreh, mit Gage und allem drum und dran und so – 300 Mark. Das war 1995/96. Dominik Graf mit Heiner Lauterbach in der Hauptrolle. Ein Fernsehfilm. Ich hatte eine Rolle als Stricher in München. Ein Nachtdreh Ecke Augusten- und Theresienstraße, nachts um Zwei. Meinen Text habe ich zwar in der Endfassung verloren, aber ich bin immer noch als Stricher im Hintergrund zu sehen.

magazine4: Du stehst da auf der Straße?

Adrian Can: In einem Gay-Club. Aber eben für Dominik Graf (Anm. d. Red.: Der Skorpion, 1996). Marek Harloff spielt den Sohn von Heiner Lauterbach in einer sehr turbulenten Story. Heiner Lauterbach spielt einen Kriminalkommissar, dessen Sohn in einen Drogensumpf gezogen wird. Er kommt echt stark rüber. Der Film ist nicht unlustig.

magazine4: Hast Du schon außerhalb von Deutschland gedreht? Was kommt jetzt aktuell von Dir?

Adrian Can: In der Türkei habe ich für die Mordkommission Istanbul gedreht. Die kommt jetzt übrigens bald, ich denke Anfang Mai. Gedreht wurde im Spätsommer 2014 in Istanbul. Das ist Erol Sander, lieber Kollege übrigens. Die machen jetzt das erste Mal drei Stück anstatt zwei. Das ist wohl ein sehr erfolgreiches Format. Und ich gönne es ihm auch. Sie haben da wohl drei Stück en bloc gemacht. Naja, es gibt schlimmere Arbeitszeiten. Dazu haben sie 4 Monate gebraucht. (lacht)

magazine4: Klar, das ist schon eine längere Zeit…

Adrian Can: Ja, viele haben Familie. Klar, klingt total nach Paradies, aber Du arbeitest ja nur. Du hast dann schon Wochenenden dort, wo Du ausgehen kannst, sonstwas machen. Aber ich muss dazu sagen, Du stehst schon wirklich früh um 6.00 Uhr auf zum Drehen. Istanbul ist unvorstellbar. Um 13 Uhr geht es los – bumm, kaputt, weg – Stau. Du krepierst da wirklich, Du brauchst für einen 20-Minuten-Weg dann zweieinhalb Stunden. Zu Fuß wärst Du schon längst da. Auf Mallorca war ich mal. Das war auch sehr lustig. Das war Aktenzeichen XY, da war ich Heroin Dealer. (lacht) In der Schweiz war ich letztes Jahr auch noch.

magazine4: Du hast mit Samuel L. Jackson gedreht?

Adrian Can: „Big Game“. Jetzt steht der 7. Mai diesen Jahres fest. Weltweiter Start. Um es gleich vorweg zu sagen, es ist nur eine kleine Rolle, halte da mein Gesicht nebendran, mit Text. Ob es auf der Leinwand zu sehen sein wird, das weiß nur Gott! Aber nicht mal der weiß es. Ansonsten war es superlustig, auch diesen Samuel L. Jackson spielen zu sehen. Ich habe es genossen, es war cool für mich, jemanden aus der Weltliga zu treffen. Das war schon absolut positiv. Den Mann in Fleisch und Blut vor sich zu sehen.

Der Anruf für die Rolle war übrigens sehr lustig. Da war ich gerade in Berlin gewesen, ich glaube ich hatte gerade noch 18 Euro in der Tasche, und der Anruf kam, wie alle guten Anrufe von meinem Agenten, sie kommen spät Nachmittags oder Abends. Meine besten Jobs kommen spät Nachmittags. Ich bekomme einen Anruf um viertel vor sechs: „Ey, mach Dich bereit, Du musst wahrscheinlich in elf Stunden fliegen.” Ich denke mir, okay, Schwachsinn. Er: „Kinoproduktion… mit Samuel L. Jackson… ja, die überlegen gerade noch. Aber ich wollte Dich nur anrufen, zu 90%. Du musst packen…” Ja, und jetzt?! „Ja, gib mir ne halbe Stunde, ich meld mich gleich nochmal, aber fang schon mal an….” Ja, wie, fang schon mal an, Du übertreibst! … nach zehn Minuten ruft er an: „Hast Du schon gepackt?” Ja – Nein!!! „Ja, dann mach es jetzt!” Okay… Das war lustig.

Ich hatte da wirklich nur eine sehr kleine Rolle. Da muss man mal die Wahrheit sagen. Hey, aber immerhin bin ich im Nachspann zu lesen, das ist ein Ergebnis!

magazine4: Deine Rolle als „Bad Boy”?

Adrian Can: Ah, da muss ich doch einschränken! Ich war ja auch drei Jahre lang der Pathologe bei Soko 5113 – zwar doch mehr mit den Toten als den Lebenden befasst, aber doch positiv!

In „Stereo” habe ich einen Überläufer gespielt. Von einer Gang zur anderen. Das ist auch in der Variety gelandet. „Die” Variety! Mit Namen drunter. Das hat mir der Produzent von „Stereo” in der gleichen Nacht noch gepostet. „Wow, wir sind in der Variety!”. Ich, mit Jürgen Vogel und Moritz Bleibtreu!

magazine4: Wie siehst Du die Situation der Schauspieler in Deutschland?

Adrian Can: Du hast mich schon gefragt, wenn es um meinen Beruf um Film, um sonst irgendwas geht, dann ist Berlin natürlich immer eine super Adresse. Eine sehr internationale Adresse.

magazine4: Welche Plätze würdest Du neuen Schwabingern empfehlen?

Adrian Can: Die Biergärten im Englischen Garten! Also entweder entscheidet man sich, wenn man im Englischen Garten ist, für das Seehaus oder den Chinesischen Turm. Ich habe eine kurze Pause innerhalb der letzten gelebten Jahrzehnte vom Chinesischen Turm gemacht. Aber es ist der einzige Biergarten für mich. Ich bin bekennender Hardcore-Turmgeher. Ich bin Turm-Fan!

magazine4: Woran denkst Du noch, wenn Du an München denkst?

Adrian Can: Was viele Leute übersehen: München war ja in den 80er Jahren Pop/Rock Hauptstadt. Freddy Mercury war hier. Die Stones waren hier, haben alle hier aufgenommen. Whitney Houston hatte ihren ersten großen Auftritt hier in München. Ihr Anfang hat hier um die Ecke im P1 begonnen, da kann man zu Fuß hinlaufen.

magazine4: Träumst Du von einem Auto, da Deine Familie doch im Autogeschäft ist?

Adrian Can: Also, seitdem ich jetzt das zweite Mal in L.A. war, habe ich mich in ein Auto verknallt, das für europäische Verhältnisse vielleicht etwas buckelig und rüde daherkommt, aber ich rede vom Dodge Challenger. Im Augenblick die neueste Version. Und zwar eine neue Straßenversion mit 707 PS. Kostet in der Erstausstattung 95Tsd. Ich glaube, da stimmt das Preis-/Leistungsverhältnis. Ich glaube, damit kannst Du auch einen Porsche verseilen.

Wir danken Adrian Can für das angenehme Gespräch und wünschen ihm weitere gute Rollen und Auftritte. Derzeit ist Adrian Can in „Big Game“ auf der großen Leinwand (Kinostart 7.5.2015) zu sehen.

Weitere Infos zu Adrian unter: www.adriancan.com

Fotos: Yorck Dertinger

Video: magazine4/Butzer

Leave a comment

Your email address will not be published. Required fields are marked ( * ).