19. September 2017

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Impressionen von der Animuc 2015 in Fürstenfeldbruck – Blick auf die Darsteller

Ani Muc

Am Wochenende vom 18. und 19.04.2015 fand in Fürstenfeldbruck die „Animuc“ Convention – eine Messe für Fans der japanischen Manga- und Anime-Kultur – statt. Unser Redakteur Max hat sich auf der Convention umgesehen und einige der Akteure zu ihrem doch etwas außergewöhnlichen Hobby befragt.

Ani Muc 2015Es ist eines der ersten schönen Wochenenden 2015 nach einer langen Durststrecke an verregneten und kalten Tagen. Nach einem ruhigen Samstag beschließe ich, mich zusammen mit einer guten Freundin auf der Convention „Animuc“ in Fürstenfeldbruck umzusehen, die mir aus dem Vorjahr spannend in Erinnerung geblieben ist.

Die Animuc in Fürstenfeldbruck ist eine Convention für alle Manga und Animebegeisterte. Begonnen hat diese Veranstaltungsreihe Mitte April 2009 mit ca. 3000 Teilnehmern als erste Manga und Anime-Convention im Münchner Raum – und ist dieses Jahr auf über 5000 erwartete Teilnehmer angewachsen. Das ehemalige Klostergelände mit seiner Klosterkirche ist mittlerweile ein begehrtes Veranstaltungsforum. Die schönen Höfe und Gärten verleihen dem Ort eine besondere Atmosphäre und eignet sich deshalb hervorragend als Kulisse für Erinnerungs-, Presse-, und Communitybilder der Teilnehmer (Website: http://www.fuerstenfeld.de).
An drei Tagen im Jahr ist dort ein buntes Treiben rund um die japanische Popkultur sowie ihre deutschen Ableger geboten. Neben Videovorführungen, Händlerständen, Workshops, Wettbewerben und Shows präsentieren sich die Fans mit sogenannten Cosplays (costume play) auf der Bühne wie auch im Freien. Diesjähriges Highlight auf der Animuc war neben der Anwesenheit von mehreren aus diversen Animes bekannten deutschen Synchronsprechern (unter anderem Sailor Merkur aus „Sailormoon“ oder Sanji aus „One Piece“) auch der süddeutsche Vorentscheid der Deutschen Cosplay-Meisterschaft (DCM), deren Sieger sich für das Finale auf der Frankfurter Buchmesse qualifizieren konnten. Neben Vertretern aus Manga und Anime trifft man dort auch Charaktere aus diversen Computerspielen, Disneyfilmen oder dem Marveluniversum.

Bereits auf dem Weg mit dem Auto zum Parkplatz und schlussendlich zu Fuß zum Gelände begegnen uns Charaktere aus diversen Mangas und Anime in voller Montur. Neben riesigen Schwertern, Pistolen und bunten Gewändern erblicke ich auch extrem bunte Frisuren und Ganzkörperkostüme. Eines ist dabei aber besonders offensichtlich: die gute Laune.

Wir  schlendern über das sonnige Gelände und versuchen, unter der großen Masse an überwiegen sehr professionell gestalteten Kostümen einen bekannten Helden oder Bösewicht zu erkennen. Auch als szenefremder Teilnehmer kommen mir manche Figuren sofort bekannt vor. Da wir uns keine Eintrittskarte kaufen wollen, erkunden wir das kostenfrei zur Verfügung stehende Gelände ausgiebig. Während ich noch über die Kostüme grüble, stoßen wir auf einen Spacemarine (bekannt aus dem Computerspiel „Starcraft“ von Blizzard) in voller und beeindruckend detailgetreuer Montur.

Nach einem kurzen Gespräch stellt sich heraus, dass der Spacemarine Christoph heißt, 31 ist und extra aus Österreich angereist ist. Seine Begleitung reicht uns auf Wunsch auch prompt eine Visitenkarte, die Christoph als „Cosplayer aus Leidenschaft“ bezeichnet.  Sein Kostüm wiegt rund 20 Kilo und er hat es selbst in 3 Monaten Handarbeit unter anderem aus Fieberglas und Kohlefaser und einer extra elektrischen Belüftung gebaut. Materialkostenpunkt: ca. 300 Euro. Was mich besonders beeindruckt hat ist, dass er dabei durchaus einzelne Teile am PC in 3D mit dem Programm Pepakura (http://www.pepakura.net) designed, welche sich anschließend als zusammenfaltbare Bastelbögen ausdrucken lassen um somit aus Papier wieder ein echtes 3D Modell erstellen zu können. Dieses lässt sich dann anschließend mit Fieberglas überziehen und modellieren. Christoph ist schon seit knapp 13 Jahren Cosplayer und war von seiner ersten Animeveranstaltung 2003 so überwältigt, dass er beschlossen hat, selbst Kostüme (mittlerweile 7 verschiedene) herzustellen und aktiver Teilnehmer zu werden. Ihn begeistert auf der Animuc der Kontakt mit anderen Menschen und Teilnehmern. Man unterhält sich über verschiedene Techniken, die Charaktere, lernt sehr schnell neue Leute kennen und die Stimmung ist immer gut, freundlich und sehr offen. Da man auf der Animuc auch des Öfteren verkleidete Eltern mit verkleideten Kindern trifft, gibt es für das Thema keine Altersgrenze nach oben. Vielen Dank Christoph für die Informationen.Ani Muc 2015

Auf unserem weiteren Rundgang treffen wir auch schon auf den nächsten Hingucker: eine aufwändig gestaltete Kulisse, der man sofort ansieht, dass hier ebenfalls Künstler mit einer Menge Erfahrung am Werk waren und mit ihrer liebevoll gestalteten Darstellung gerne andere Fans, Darsteller und Gäste begeistern möchten. Auf Grund meines fehlende Manga/Anime Backgrounds, habe ich leider nicht erkannt, welche Szene oder gar welcher Anime dargestellt werden soll. Da die drei aber so freundlich für uns posiert haben, baten wir ebenfalls um einen Kontakt, um etwas mehr über die Figuren, den Hintergrund und den Menschen dazu zu erfahren. Zu meiner Freude erklären sich Kaiba und Lightning für ein Interview bereit; also treffe ich mich ein paar Tage darauf mit Kaiba (Künstlername „Shinkan Seto“) und Lightning (Künstlername Goddess of Valhalla) in einem Cafè in einer kleinen Vorstadt im Münchner Südwesten. Als Überraschung  bringen beide einen Teil ihrer Requisiten und Bilder mit und erzählen mir bereitwillig von ihrer Leidenschaft. Dabei erfahre ich unter anderem, dass er und Lightning schon seit Längerem ein Paar sind. Die beiden haben sich für das Interview viel Zeit genommen, daher war das Gespräch sehr ausführlich und ich kann es nur in einer stark gekürzten Fassung wiedergeben:

Max:  Eure Darstellung auf der Animuc war sehr beeindruckend. Wen oder was genau stellt ihr dar?

Kaiba: Ich bin „Ciel Phantomhive“ und meine Freundin ist „Sebastian Michaelis“ als Teufelsversion.

Lightning: Wer die Serie „Black Butler“ kennt, weiß, dass von Sebastians wahrer Gestalt nur 2-3 Hinweise zu sehen sind, also habe ich meine Phantasie spielen lassen und das restliche Design diesen Andeutungen angepasst.

Max: Wie ihr alles aufgebaut habt, inklusive Tisch, sieht man hier doch eher selten. Woher habt ihr eure Kostüme und Requisiten?

Kaiba: Wir stellen alles in teilweise wochenlanger Handarbeit in unserem eigenen Wohnzimmer selbst her; das ist eines unserer größten Hobbies. Ausstattung oder Kleidung für die Figurendarstellung zu kaufen, kommt für uns nicht in Frage. Es gibt immer Ausnahmen, aber wir fertigen unsere Sachen lieber per Hand an.

(Er übergibt mir einen beeindruckenden Dolch). Beim Selbermachen lernt man nach und nach mit allen erdenklichen Materialien umzugehen (Leder, Fimo, Stoff, alle möglichen Kunststoffe, Kunsthaare, Holz, Metall, Farbe…) und daher auch Nähen, Sägen, Schleifen, Stricken und Metallbau. Ich habe eine Dekupiersäge, einen Dremel, einen Schwingschleifer, eine Stichsäge und einen Winkelschleifer…alles in unserem Wohnzimmer. Nebenbei lernt man natürlich auch viel über digitale Bildbearbeitung, um das Beste aus den Fotos rauszuholen. Unsere Materialien bekommen wir auf Flohmärkten, in Bastelläden, Baumärkten oder aus dem Internet. Dabei kommt es durchaus vor, dass wir für eine Figur 50 Tuben Sekundenkleber kaufen und verbrauchen. Je öfter man das macht, desto besser wird man natürlich. Nebst hunderten Euro für das Material pro Figur benötige ich teilweise mehrere Wochen Arbeitszeit und opfere fast meine komplette Freizeit. Für den schwarzen Teufelshelm von Lightning habe ich zwei Tage gebraucht. Insgesamt haben wir beide jeweils ca. 15 komplette Kostüme.

Lightning: Mein Kostüm war ein Alptraum, ich habe jede einzelne Feder (ca 780 Stück) per Hand aus Papier geschnitten, angemalt und schlussendlich auf einem selbstgebauten Gestellt aus Holz befestigt. Besonders mobil ist man damit nebst Pfennigabsätzen damit natürlich nicht.

Max:  Sehr beeindruckend! Ihr könntet mit euren Fähigkeiten sicherlich auch professionell in dem Bereich Theater als Bühnenbildern oder Requisitenhersteller tätig werden. Könntet ihr euch so etwas vorstellen?

Kaiba: Ich bin froh, einen Beruf in einem ganz anderen Tätigkeitsbereich zu haben. Ich denke, wenn ich nicht mehr frei bin, zu entscheiden, was ich gerade baue, dann finde ich keinen Spaß mehr daran. Alles, was wir bisher hergestellt haben, ist auf unsere Wohnung verteilt und hängt entweder im Schrank oder an den Wänden. Für Besucher und Freunde ist das meist wie ein kleines Museum, in dem man immer wieder Neues entdeckt. In jedem Teil steckt so viel Liebe und Mühe, dass ich keines davon wegwerfen oder verkaufen würde.

Max: Das kann ich gut verstehen. Wie oft seid ihr denn schon auf der Animuc gewesen und wie war die Stimmung?

Lightning (zählt ihre Kostüme auf und grübelt): …Hmmm, ja, geil, bisher waren wir eigentlich bei jeder Veranstaltung in Fürstenfeldbruck mit dabei, natürlich jeweils mit einem anderen Kostüm. Früher waren wir auch auf der Connichi in Kassel, aber mittlerweile sind wir nur noch auf der Animuc. Eintritt haben wir auch keinen bezahlt, da wir die Stände und Veranstaltungen ja bereits aus dem Vorjahr kannten. Für Erstbesucher sind diese aber definitiv lohnenswert. Die Cosplay-Auftritte auf der Bühne dauern teilweise eine Stunde, in der die Darsteller versuchen, mit Schauspiel, Gesang oder Tanz ihre Charaktere so detailgetreu wie möglich nachzuspielen. Da das Ganze aber sehr mit Zeitdruck versehen ist, halten wir persönlich uns lieber davon fern und leben unsere Rollen außerhalb aus.

Kaiba: Wir begeistern gerne andere Fans und Besucher, die uns freudig fotografieren und bewundern. Das ist natürlich ein super Gefühl. Ich bearbeite selbst Bilder zuhause digital nach und stelle diese online. Viel davon ist auch auf der Website „DeviantArt“ zu bewundern (Website:  http://shinkan-seto.deviantart.com/gallery/ bzw.  http://goddessofvalhalla.deviantart.com/gallery/ von Lightning). Da wir unsere Requisiten auf der Animuc fest aufgebaut hatten, waren wir auch fast ausschließlich an diesem einen Ort und kamen nicht wirklich vom Fleck.

Max: Die Bilder, die ihr mitgebracht habt und die ich mir vorab im Internet angesehen habe, sehen wirklich sehr professionell aus! Wie kommt man zu diesem Hobby, und seit wann beschäftigt ihr euch mit Erstellung von Kostümen?

Kaiba: Angefangen haben wir beide ca. vor 10 Jahren, nachdem ich anfangs nur Mangas gezeichnet habe; damals kannten wir uns allerdings noch nicht. Über die Community und Freunde wurde ich gefragt, ob ich nicht auch einmal ein Kostüm selbst erstellen möchte, also habe ich mich immer mehr damit beschäftigt und gehe auch nur zu einer Veranstaltung, wenn mein Kostüm für mich zufriedenstellend fertig ist. Meine Mutter steht da auch voll hinter mir und findet es geil. Wir sind natürlich beide begeistert von Anime und gucken die meisten Serien mit original japanischer Sprache und englischen Untertitel.

Max: Das finde ich gut, Unterstützung von allen Seiten zu bekommen. Auf den Conventions lernt man sicher viele Leute kennen.

Kaiba: Ja, durchaus, ich habe Kontakte natürlich in Deutschland, aber auch Bagdad, Mexiko oder Japan übers Internet (z.B. Twitter). Teilweise habe ich mich mit ihnen auch schon getroffen, wenn diese z.B. auf der Durchreise in Deutschland waren oder auf Veranstaltungen.

Max: Und wie sind eure Pläne für die Zukunft?

Kaiba: Solange ich in Verkleidung teilweise von 15Jährigen für gleichaltrig gehalten werde, werde ich weitermachen. Wie alt ich wirklich bin, verrate ich aber nicht.

Lightning: Dem kann ich nur zustimmen.

Max: Vielen Dank für das freundliche und interessante Gespräch, ihr beiden.

Vor und auch während des Interviews höre ich von Kaiba mehr als einmal die Verachtung gegenüber der Presse, das Thema Anime und Manga als „Comic“ abzutun. Trotz einer der ersten Anime „Heidi“ in Deutschland haben viele Anime gerade in Japan ein sehr düsteres Thema und handeln auch von Gewalt und Tod und nicht nur von leichtbekleideten Mädchen mit großen Augen.

Als meine Begleitung und ich schon wieder Richtung Ausgang des Geländes steuern, meint sie „Guck mal, Max, die weiße Frau dort, die sieht total echt aus…wie aus Stein.“ Beim Näherkommen müssen wir feststellen, dass es sich hierbei nur um eine Brunnenfigur handelt…

Zusammenfassend war es ein aufregender Tag. Nächstes Jahr werde ich eventuell doch einmal Eintritt zahlen und mir auch ansehen, was sonst noch so hinter den verschlossenen Türen geboten ist.

Fotos: Max Stautner

1 COMMENT

  • Anke Fabritius
    Anke

    Toller Bericht, spannenendes und unkonventionelles Thema.
    Richtig super!!!!!
    Gerne mehr :)

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