15. August 2017

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„Ich bin keine Blues- oder Jazz-Polizei“: Interview mit Münchens Kult-Musiker und Isar-Indianer Willy Michl

„Ich bin keine Blues- oder Jazz-Polizei“: Interview mit Münchens Kult-Musiker und Isar-Indianer Willy Michl

LiedermacherWilly Michl ist aus München und Bayern nicht wegzudenken – jeder kennt den kultigen Blues-Musiker im Indianer-Look. Er gilt als Urheber des Bayerischen Blues und hat bereist 1979 seine erfolgreiche Scheibe „Ois is Blues“ komplett selbst und ohne Unterstützung eines Plattenlabels produziert. Bis heute ist er erfolgreich in der Musikszene unterwegs und spielt unzählige Live-Auftritte. Im Rahmen der Heimatsound-CD-Veröffentlichung des Bayerischen Rundfunks am 03.06.2015 stand er uns in einem sympathischen und offenen Interview Rede und Antwort.

Wir treffen Willy Michl backstage in seiner Garderobe. „Lass die Türen offen, es soll alles fließen“, sagt er, während seine Frau Cora die Stühle für das Interview mit schönen Schals und Tüchern behängt. Es soll eben nicht nur geredet werden, es soll auch wohnlich und gemütlich aussehen. Nach einer herzlichen Begrüßung geht es genauso sympathisch weiter: Willy Michl ist gesprächig, offen und ehrlich. Der kultige Blues-Musiker ist ein waschechtes Münchner Urgestein; seit Jahrzehnten ist er im Musikbusiness tätig – ohne sich von Plattenlabels oder strengen Managements abhängig zu machen. Er lebt seine Leidenschaft zur Musik – das sieht und das hört man.
Im Gespräch erfahren wir, warum er auf Metallica und Slayer steht, was man als Künstler braucht, um im Showbusiness zu bestehen und welche regionalen Künstler es ihm besonders angetan haben.

magazine4: Wie gefällt Dir das Heimatsound-Konzept?

Willy Michl: Es gefällt mir sehr gut. Da können junge Leute in Erscheinung treten, und wir vom Urgestein dürfen auch mitmachen – das ist eine gute Sache.

magazine4: Es gibt ja auch den Heimatsound-Wettbewerb, bei dem neue Künstler entdeckt werden. Würde es Dich reizen, gemeinsam mit solchen Newcomern etwas auf die Beine zu stellen, wenn Dir ihre Musik gefällt?

Willy Michl: Das haben wir ja gerade beim Soundcheck schon gemacht; wir singen das Lied „Sag mir, wo die Blumen sind“ – die singen das so schön, und das macht richtig Spaß!

magazine4: Was muss man mitbringen, um im regionalen und Mundart-Bereich Erfolg zu haben? Einen so ausgefallenen Look wie Du?

Willy Michl: Man braucht ein Herz. Man braucht Mut. Und eine Aussage. Wenn man das alles hat, dann muss man obendrein noch sehr fleißig sein, sein Instrument können und sich in das Musikerleben hineinarbeiten – und das ist mehr als Arbeit. Das ist Leistung. Da muss man wirklich mit Herz und Verstand dabei sein. Und das macht man ein ganzes Leben lang. Wenn man sich dann im Laufe der Jahrzehnte ein verrücktes Outfit zulegt, dann empfindet man es nach 30, 40 oder 50 Sommern und Wintern als eine Selbstverständlichkeit; darüber denkt man dann gar nicht mehr nach.

magazine4: Was ist denn Deine Aussage?

Willy Michl: Wir dürfen uns nicht gegenseitig verletzen, wir müssen uns lieben und respektieren und ehren.

magazine4: Würdest Du Dich in die Kategorie „Heimatsound“ einreihen? Oder wie würdest Du Deinen Stil bezeichnen?

Willy Michl: Natürlich gehöre ich zum Heimatsound dazu, das ist ganz klar. Ich war ja einer der Ersten, was den Mundart-Gesang anbelangt – also, in bayerischer Sprache mit moderner Musik zu singen; in meinem Falle bayerischen Blues … das ist meine Urheberschaft, das habe ich angefangen.

magazine4: Der Trend geht auch immer mehr zur bayerischen und regionalen Musik – ist das gut für Dich oder ist Dir das total wurscht, weil Du einfach Dein Ding machst und Dich nicht nach irgendwelchen Trends richtest?

Willy Michl: Wurscht ist mir gar nichts! Es muss gut sein. Die bayerische Musik – die Volksmusik, die volkstümliche Musik, die Schlagermusik, also alles, was es an Musik aus Bayern gibt – ist ja ein ganz großer Bereich. Da gibt es sehr traditionelle Strömungen mit alten bayerischen Gesängen, dann gibt es ganz junge Leute, die in dieser Tradition progressiv weitermachen, und es gibt welche, die auch progressive Texte machen wie beispielsweise die „Biermösl Blosn“ – ich finde das eine sehr schöne Entwicklung und freue mich, dass auch ich ein Teil davon war und bin.

magazine4: Gibt es irgendetwas, das Du musikalisch überhaupt nicht magst?

Willy Michl: Wenn’s verlogen ist! Wenn sie dort stehen und lachen und daweil ist es gar nicht echt. Das mag ich nicht. Aber ich bin keine Blues- oder Jazz-Polizei. Wenn der Hansi Hinterseer daherkommt und geil singt, dann gefällt mir das auch.

magazine4: Oder Helene Fischer?

Willy Michl: Helene Fischer finde ich sowieso gut. Oder Andrea Berg! Das sind Stars, die mir sehr gefallen. Das ist nicht meine Musik, die ich mir anhören würde, aber wenn das im TV läuft, dann schaue ich mir das schon mal an. Wenn ich Musik hören will, dann muss ich den Paco de Lucia einschalten – das ist etwas, das ich gerne höre!

magazine4: Was hörst Du sonst noch gerne? Auch aus den neueren Stilrichtungen?

Willy Michl: Ich bin Metallica-Fan – Metallica ist absolut supergeil. Ich mag alles, was an Hardrock existiert. Ich mag auch Slayer … auch wenn es richtig säuisch ist. (lacht) Ich finde das einfach alles okay. Diese Musik hat eine eigene Dynamik, die man verstehen können muss; wenn man die nicht versteht, dann sagt man sofort „Nix wie weg“, das ist ja klar. Diese Musik entsteht aber auch aus der Entwicklung und dem Vorgehen und Verhalten der Gesellschaft; früher, vor 60 oder 70 Jahren, gab es Jazzmusik. Und da war Jazz eine Musik, bei der alle gesagt haben „Um Gottes Willen!“
Es gibt da einen ganz einfachen Satz: Was ist Musik? Musik ist, das Ohr zu erfreuen, das Herz zu rühren und den Verstand in angenehme Tätigkeit zu versetzen. Wenn das gegeben ist, dann ist es Musik. Wenn jetzt natürlich einer sagt „Slayer oder Metallica ist für mich das Grauen“, dann ist das für denjenigen eben keine Musik mehr. Für mich schon, weil ich weiß, was es bedeutet; ich weiß, woher es kommt und was es ist; ich kann das irgendwie einordnen – und dadurch ist es für mich etwas Schönes. Das hat aber mit dem Heimatsound-Thema wenig zu tun (lacht).
Ich glaube aber, dass die Musiker bei uns bald auch mit solcher Musik anfangen werden…

magazine4: Bist Du Fan von einem regionalen Künstler?

Willy Michl: Ich bin ein Claudia Koreck-Fan! Die Claudia ist die bayerische Nachtigall. Die gefällt mir, weil die einfach eine Voice hat – die singt für mich wie im Paradies. Wenn auf’m Baum oben ein Zeiserl sitzt, dann ist das für mich die Claudia – so schee singt die!

magazine4: Wie gehen Bayern, Mundart und Indianer zusammen?

Willy Michl: Ganz gut, wie man sieht! Der bayerische Mensch war ja immer einer, der gerne in der Natur gelebt und das Leben genossen hat; und es gibt auch eine gewisse Strenge im bayerischen Denken. In Bayern gibt es zwei Arten von Menschen: die einen sind hirnvernagelt und die anderen haben ein Herz so weit wie das Universum. Das ist Bayern – ein Land der Extreme.

magazine4: Was dürfen wir von Dir zukünftig erwarten?

Willy Michl: Musik, Musik, Musik! Ich will auch mal wieder eine neue Platte machen. Ich habe schon viele Lieder, die bisher nicht veröffentlicht sind. Ich singe sie live auf meinen Shows – aber weißt, ich bin halt kein Industrie-Heini. Ich habe keinen Plattenvertrag – ich bin einfach der Isarindianer … ein sogenannter Indie. Ich bin übrigens der erste deutsche Indie; ich bin nicht nur der Erste, der einen bayerischen Blues gesungen hat, ich habe schon 1979 „Ois is Blues“ selbst produziert. Die Lieder sind auf jeden Fall da, und ich kann sie aufnehmen, wenn es soweit ist. Und wann das ist, das lasse ich mir von den Geistern sagen!

Wir sagen Danke für das nette Interview; es sollte definitiv mehr Menschen wie Willy Michl geben – dann wäre die Welt um einiges friedlicher … und auch etwas verrückter. We like!

Mehr Infos zu Willy Michl: http://www.willymichl.com/cms/

1 COMMENT

  • Christian Schebitz

    super interessantes Interview mit einem echten Musik- Mann!

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