17. Januar 2017

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Frühling kommt, der Sperling piept

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Es ist immer noch Winter und dass seit gefühlten zehn Monaten. Ich nehme Johanniskraut und alles, was gelb blüht, um meinem Gehirnstoffwechsel vorzugaukeln, die Sonne scheine.
Nach dem Aufstehen habe ich meditiert, Gutenmorgentee getrunken und war bester Dinge. Sanft. Liebevoll. Gerüstet für den Tag. Dann bin ich einkaufen gegangen. Jetzt bin ich damit beschäftigt, meine bockende Widdervenus zu beruhigen. OMMMMM….
Was ist geschehen? Es hat damit begonnen, dass gleich am Ende unserer Straße ein Wagen mit offener Tür und laufendem Motor steht, der Wagenlenker wenige Meter von seiner Nobelkarosse (mit den magischen drei Buchstaben) entfernt, locker flockig am Zaun ein Schwätzchen haltend. Man mustert mich kurz, dreht sich um und ratscht weiter, während die Abgase den trüben Märzwintermorgen noch trüber machen. Nach gefühlten zehn Minuten entschließt sich der Herr dann doch dazu, weiterzufahren, nickt lässig in meine Richtung und steigt ein. Ich lächle verkrampft, atme Groll aus, schlucke meine

Belehrungen zum Thema Umwelt hinunter – denn wer bin ich denn, andere aus dem Autofenster hängend zu belehren – und fahre weiter.
Am Kreisel warte ich ziemlich lange, denn bei den Autos, die auf der Vorfahrtsstraße daherkommen, sind leider die Blinker kaputt, so weiß ich nicht, ob sie rechts abbiegen oder geradeaus fahren und bleibe stehen. Dieses nicht-risikofreudige Verhalten verärgert den Fahrer hinter mir, deshalb hupt er mich wild an und macht böse Zeichen. Als Gott die Geduld verteilt hat, stand der wohl auch hupend im Stau, denke ich, ignoriere Hupe und Zeichen und fahre, als es sicher ist. Dafür rast der Mann neben mich – eigentlich gibt es nur eine Spur – und macht noch mehr böse Zeichen. Ich ignoriere ihn noch einmal, fühle mich aber ein bisschen weniger sanft und liebevoll.
Vor dem Supermarkt komme ich nicht an die Einkaufswägen, weil eine Frau vor der Reihe mit den Drahtkörben steht und sich vor dem Einkauf dringend mit einer Zigarette stärken muss. Ich bitte Sie freundlich, einen Schritt zur Seite zu treten und ernte einen

ärgerlichen Blick und eine große Dosis schädlichen Nikotinausstoß. Ich denke an etwas Schönes und betrete mit dem ergatterten Einkaufswagen den Supermarkt.
Ich weiß genau, was ich brauche und bin bemüht, zügig voran zu kommen, die Arbeit wartet schließlich auf mich. Leider weiß nicht jede/r hier drin, was er/sie will oder wo sie/er sich befindet und so manche/r muss sich erst per Handy mit den Lieben zuhause beraten, was sie/er denn kaufen soll. Dass diese Gespräche brettlbreit im Gang stattfinden, ist recht störend für mein Fortkommen. Ich mäandere um Telefonierende und Menschen, die ihre Sozialkontakte hier pflegen und bemühe mich, die kleinen Rauchwölkchen, die anfangen, aus meinen Ohren zu dringen, wegzuwedeln. An der Obsttheke ist eine Frau damit beschäftigt, Auberginen grob zu packen, kurz zu mustern und in die Kiste mit Sellerie zu pfeffern. Das ist mir jetzt zu viel. Ich mag Auberginen, möchte nicht, dass sie misshandelt werden und außerdem finde ich, dass andere Einkäufer ein Recht auf unversehrte Ware haben. Deshalb

kann ich mir die Bemerkung, die Dame möge doch die Eierfrüchte bitte pfleglich behandeln, nicht verkneifen. Die Flüche in fremder Zunge klingen mir bis zur Kasse nach und ich umgebe mich rasch mit einer virtuellen Schutzkugel. Besser ist das.
An der Kasse angekommen, reihe ich mich in die Schlange ein. Mein Puls beruhigt sich gerade, als mir jemand mit Wucht seinen Einkaufswagen in die Hacken rammt. Ich drehe mich mit kampfbereit hochgezogenen Augenbrauen um und sehe zwei Damen, die eifrig damit beschäftigt sind, sich über den Ausgang der gestrigen Telenovela auszutauschen. Sie sind zu beschäftigt, um sich zu entschuldigen, also lege ich zähneknirschend meine Einkäufe auf das Band, zahle und flüchte.   
Vor etwa eineinhalb Stunden war ich sanft und liebevoll. Habe mich auf den Tag gefreut. Auf meine Mitmenschen. Jetzt bin ich geladen und will auf eine Insel. Allein.

Der Frühling scheint doch nicht mehr weit und das Sonnenzeichen Widder möchte seine Energie rauslassen. Ich gehe jetzt in den Keller und schreie ein bisschen. AAACHTSAMKEIT!!!!! AAAAAAAAAAAAAAAAAACHTSAMKEIT!!!!! AAAAAAAACHTSAMKEIT!!!!!!

Marsianische Grüße,
Ursula Yngra Wieland, PhönixX Lebenscoaching

PS: Leute, wenn ihr gut drauf seid, bleibt daheim!