21. August 2016

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Bairisch im weltoffenen Multi-Kulti-Soundgewand – Claudia Koreck im Interview

Claudia Koreck

„Fliagn“ von Claudia Koreck lief vor einigen Jahren auf allen bayerischen Radiostationen – seitdem kennt man die sympathische Sängerin mit der starken Stimme insbesondere im süddeutschen und bayerischen Raum. Mit „Stadt Land Fluss“ erscheint nun am 27.02.2015 ihr fünftes Studioalbum; uns hat sie von den Aufnahmen, dem Mixing in New York (bei dem Sound-Guru von Lenny Kravitz) und der Arbeit mit der Familie erzählt … und uns verraten, warum ihre Ehe so wahnsinnig gut funktioniert. Eine zuckersüße Liebeserklärung gab’s gleich noch oben drauf.

Wir treffen uns im Café „Tafel & Schwafel“ in der Münchner Augustenstraße. Claudia Koreck sitzt ganz entspannt an einem der Tische und winkt uns. Wer einen Tross an PR-Leuten, Begleitpersonen und Managern erwartet hat, lag völlig falsch – und so können wir uns einfach in unser Interview stürzen und dabei fast vergessen, dass wir es mit einer der erfolgreichsten bayerischen Künstlerinnen zu tun haben. Völlig ohne Berührungsängste wird geplaudert, als kennt man sich schon ewig – und als wir das Gespräch mit dem Handy aufnehmen wollen, erfahren wir gleich die ersten Facts zum neuen Album. Lachend erklärt sie uns, dass sie einen Großteil ihrer Songs erst einmal ins Handy einsingt: „Also entweder mit dem Handy – oder ganz oft nehme ich mich auch mit dem Mac auf Video auf (…) Das kann ich dann meinem Mann fast nicht zeigen, weil ich da immer total beknackt ausschaue.“
Können wir uns gar nicht vorstellen. Claudia Koreck hat eine unglaublich gewinnende Art, lacht viel und erzählt ohne Selbstzensur. Zum Beispiel über ihre Entscheidung, nach langen Jahren in München nun doch wieder in ihre Heimat im Chiemgau zurückzukehren: „Das war eigentlich nicht so sehr eine Herzensentscheidung, weil ich die Stadt schon wahnsinnig gerne mag. Aber ich habe jetzt mein zweites Kind bekommen – wir hätten also eine größere Wohnung gebraucht … und das ist halt in München echt sauschwer, wenn man nicht gerade Millionär ist.“
Nun ist sie also samt Mann, Kindern und Kegel wieder in der Nähe ihrer Eltern gelandet. „Meine Eltern sind immer da für mich, gerade wenn ich jetzt auf Tour bin. Meine Kinder sind dann bei den Großeltern – es wäre anders auch wahnsinnig kompliziert.“

Claudia Koreck beitragsbild1Doch nicht nur privat bietet die ländliche Umgebung mit eigenem Haus viele Vorteile für sie. Wer in München wohnt, weiß, wie hellhörig die Wohnungen – gerade in Altbauten – sein können. „Wenn du Musik machen willst, dann willst du nicht drüber nachdenken, ob gerade über dir jemand ist und dich beim Üben hört. Und dann möchte ich nicht wieder im Wäschekeller vom Nachbarn hören „Ah, hast wieder was Neues gemacht!? (…) Mit Haus ist es halt geil, da kannst Du laut sein, das interessiert keinen! (…) Der Gunnar hat sich im Keller ein Studio eingebaut, und da stehen die ganzen Instrumente rum. Wenn wir runter gehen, dann greift sich jedes unserer Kinder gleich ein Instrument; der Timmi meistens die Ukulele und die kleine Lani nimmt auch schon die Klöppel in die Hand und spielt Xylophon – total lieb!“
Im Hause Koreck geht es aber definitiv nicht immer nur laut zu. Auf der neuen CD werden auch ganz sanfte, ruhige Töne angeschlagen. „Sleep little Darling“ ist quasi ein Familienprojekt – geschrieben von ihrem Mann Gunnar Graewert, aufgenommen im hauseigenen Keller-Studio … und mit zuckersüßen (Mama Claudia nennt sie „charmanten“) Gesangsparts ihres damals 3jährigen Sohnes. Angesprochen auf diesen Song glänzen ihre Augen stolz. Wie hat dem Nachwuchs sein Gesangspart denn gefallen, als er sich auf CD gehört hat? „Ja, cool, gell, Mama – bald kann ich jetzt auch auf die Bühne gehen. Also, ich sing schon ein bisserl besser als Du“.

Gemeinsam musizieren, Songs schreiben und auf Tour gehen. Viele Paare könnten sich nicht einmal vorstellen, gemeinsam zu arbeiten – da kracht es ja schon nach drei Tagen des gemeinsamen Urlaubs. Warum klappt das denn bei den Korecks so gut? „Wenn ich Musik mache, dann brauche ich jemanden, der meine Leidenschaft teilt, der mir meine Freiheit lässt und der versteht, warum ich das mache. Was ich überhaupt hasse, ist, wenn man auf Tour ist und irgendwelche privaten Streitereien dort austrägt – das versuchen wir wirklich zu vermeiden! Aber ansonsten: ich lieb den einfach total!“

Claudia nippt an ihrem Cappuccino und lacht herzlich, als sie über Sohn und Familie spricht. Wir erleben eine offene, interessierte Künstlerin, die uns ganz nah „ran“ lässt. Ist sie denn immer so offen? „Ich bin ein wahnsinnig offener Mensch, total interessiert an anderen Kulturen und anderen Leuten. Im Privaten muss ich allerdings nicht immer im Mittelpunkt stehen – da möchte ich das eigentlich gar nicht, da will ich mich eher zurücknehmen und viel beobachten. Auf der Bühne ist das natürlich dann das Gegenteil, dann stehe ich halt zwangsläufig im Mittelpunkt. Aber das genieße ich in diesem Moment auch und es fühlt sich dann ganz natürlich an“. Aber nicht nur auf der menschlichen Ebene spürt man ihre Offenheit – wenn man sich ihr neues Album anhört, hat man das Gefühl, sie schon ganz lange zu kennen. Ihre Reaktion auf diese Feststellung ist freudig und bescheiden: „Das freut mich total. Ich finde es auch auf den Konzerten immer wieder schön, dass da so eine natürliche Verbundenheit da ist. Mei, ich erlebe, glaube ich, auch viele Sachen, die viele in meinem Alter eben auch erleben (…) Ich glaube, einige können gut nachvollziehen, was ich fühle.“

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Claudia Korecks neues Album „Stadt Land Fluss“

Und was hat sie gefühlt, als sie sich mitten in den Arbeiten zum neuen Album befand? „Das Thema, dass wir wieder aufs Land zurückziehen, war so präsent! Und das waren in vielen Momenten keine positiven Gefühle. Es hat sich einfach komisch angefühlt: zuerst kehre ich meiner Heimat den Rücken und dann komme ich „geläutert“ wieder zurück. In dieser Phase sind viele Stücke entstanden. Aber ich wollte trotzdem ein Gleichgewicht herstellen, so dass eben ein paar städtische Songs und urbanere Sounds dabei sind, und dann aber auch wieder das Folkige, Ländliche – und übergreifend auch fremde Sounds aus fremden Kulturen“. Das Ergebnis ist eine vielschichtige und homogene Mischung aus mal treibenden und aufwendig arrangierten Soul-Rock-Stücken, Blues-Nummern sowie funklastigen und gefühlvollen Sehnsuchtsmelodien. „Ich mag das auch, wenn ich mir ein Album höre – ich will nicht, dass es langweilig ist, sondern ich möchte verschiedene Facetten und verschiedene Stimmungen hören (…) Ich fand es einfach mal ganz cool, ein farbenfrohes Album zu machen“. Das ist ihr gelungen: zu hören sind nicht nur arabische Skalen, sondern auch griechische Textpassagen, exotische Instrumente wie Banjolin, Cajon und Hackbrett sowie Stimmen aus Kamerun und Guinea.

Gerne würde sie es auch einmal ausprobieren, mit weiteren weiblichen Musikern Musik zu machen: „Die Jungs sind so omnipräsent – ich mag aber auch total gerne Frauenstimmen (…) Es muss auch nicht eine komplette Weiber-Band sein; aber was die Stimmen anbelangt, einfach gemeinsam mit anderen Frauen singen, ein bisschen folkig vielleicht“.

Auf „Stadt Land Fluss“ hört man neben den unterschiedlichsten Stilrichtungen auch Unterschiede in der Aufnahmetechnik. Einige der Songs wurden in Studio-Sessions eingespielt, und die klingen herrlich live! Müssen die Musiker bei solchen Aufnahmen nicht besonders konzentriert sein? „Wenn sich alle total unter Druck setzen, dann wird es meistens nichts. Dann fehlt für mich einfach diese Magie: die Kontrolle mal verlieren, loslassen! Das ist das Geile an Musik, dass man es einfach mal fließen lassen kann“.
Und was, wenn sich da einer verspielt? „Uns ist es immer wichtiger, dass das Feeling passt – wenn mal ein spielerischer Hund drin ist, dann kann man den vielleicht hinterher noch ausbügeln. Aber wenn das Feeling mit der Band passt, wenn das der magische Take ist, dann nimmst Du diesen Take eigentlich auch.“

Auf unsere Frage, wie Henry Hirsch (bekannter Musikproduzent aus New York, der u.a. für den typischen Sound von Lenny Kravitz bekannt ist) auf die bairischen Liedtexte reagiert hat, als er einige ihrer Songs gemischt hat, lacht sie. Wir erfahren, dass sie nicht persönlich mit in New York war, weil die kleine Tochter gerade auf die Welt gekommen war. „Gunnar war zum Mischen dort (…) – er hat gesagt, sobald man mit Henry Hirsch über die Beatles und „Abbey Road“ redet, dann blüht der Mann auf und erzählt. Einmal war ein englischer Textpart drin, und da hat er dann natürlich aufgehorcht. Aber ansonsten war er sehr fixiert und vertieft. Und ihm haben die Aufnahmen und Arrangements gut gefallen, weil es keine moderne Popmusik ist, sondern ein bisschen „älter“ klingt und alles mit echten alten, Vintage-Instrumenten eingespielt wurde – und auf diesen Sound steht er selber sehr.“.

Claudia Koreck beitragsbild2Sie lässt bei den Großen der Musikszene mischen, singt stimmgewaltig und ist unglaublich kreativ. Beschränkt sie die Mundart denn da nicht in ihrem Erfolg, wollen wir wissen. Sie nickt. „Bestimmt. Wenn du in Hamburg oder Berlin spielen willst, dann lassen sich die Leute sehr abschrecken, sobald das Thema „Mundart“ ist. Deswegen versuche ich auch immer, das Ganze so unaufgeregt wie möglich zu machen und es auch als etwas Natürliches rüberzubringen. Ich würde mir wünschen, dass es auch innerhalb Deutschlands keine solchen Grenzen gibt. (…) Ich habe meine Songs schon in Amerika, auf Hawaii und in Tokio gespielt – da ist das irgendwie gar kein Thema, was das gerade für eine Sprache ist. Da hören die Leute die Musik – entweder gefällt es ihnen oder es gefällt ihnen halt nicht. Aber bei uns ist das oft gleich so ein Kriterium – wie ein Label. Viele denken dann sofort an Schlager und sie hören sich die Musik dann auch gar nicht an. Man muss viel Überzeugungsarbeit leisten, damit man eben nicht so abgestempelt wird.

Abschließend interessiert uns, welche Lektionen sie in ihrer Karriere gelernt hat. Welche Erfahrungen hat sie gemacht, die sie auch an ihre Kinder weitergeben möchte? „Meinen Kindern will ich auf jeden Fall Werte wie Respekt mitgeben – in der heutigen Zeit ist das ja sehr selten, anscheinend drehen alle durch. Ich möchte meinen Kindern auf jeden Fall vermitteln, dass man respektvoll miteinander umgeht; dass jeder Mensch gleich viel wert ist! Zum Beispiel, wenn Du wegen etwas im Mittelpunkt stehst: du bist deswegen nicht besonderer als irgendjemand anderes – wenn jemand so denkt, dann ist das einfach schon krank. Ich fühle mich einerseits privilegiert, dass ich meine Leidenschaft wirklich zum Beruf machen durfte, aber ich weiß auch immer wieder zu schätzen, wie toll das ist, wenn die Leute 20€ für ein Ticket zahlen und mich sehen wollen. Und es gibt ihnen ja auch irgendwas – und genau das macht es für mich dann wieder extrem sinnvoll“.

©Semmelroggen

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Auch nach Ende des Interviews quatschen wir noch eine ganze Weile weiter. Stressfrei, unaufgeregt und wahnsinnig sympathisch. Claudia Koreck toppt das Ganze dann noch mit einer ganz privaten Gesangseinlage für magazine4. Draußen vor dem Café, ganz unkompliziert im Hausgang – mit voller Power. Solche Interviews führt man gerne!

Am 27.02.2015 erscheint Claudia Korecks neues Album „Stadt Land Fluss“. Und eine große Tour steht auch bevor – am 01.03.2015 ist Claudia im Münchner Volkstheater zu sehen! Weitere Tour-Termine findet ihr hier: http://www.claudia-koreck.de/termine.html

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