27. August 2017

You are here: / Kino / Kunst/Kultur / Ab 18.6. im Kino: Die Lügen der Sieger

Ab 18.6. im Kino: Die Lügen der Sieger

Die Lügen der Sieger

Kinostart: 18.Juni 2015

Fabian Groys (Florian David Fitz) ist ein renommierter Journalist in der Hauptstadtredaktion eines politischen Nachrich- tenmagazins. Gemeinsam mit Nadja (Lilith Stangenberg), einer ihm zugeteilten Praktikantin, recherchiert er eine brisante Story über die zweifelhafte Invalidenpolitik der Bundeswehr. Als sie ihm wegbricht, weil sein Informant abspringt, schwenkt Groys auf einen Giftmüllskandal um. Dann mehren sich Anzeichen, dass beide Geschichten zusammenhän- gen, und die Story nimmt Fahrt auf. Doch etwas weckt Groys’ Argwohn: Kann er seinen Informationen wirklich trauen?

In seinem Polit-Thriller DIE LÜGEN DER SIEGER Die Lügen der Siegerbeleuchtet Regisseur Christoph Hochhäusler ein hochaktuelles Thema: Die Auseinandersetzung mit Macht, Lobbyismus und die Manipulation von Medien. DIE LÜGEN DER SIEGER entspinnt ein geschicktes Spiel um gezielte Indiskretionen, lancierte Halbwahrheiten, die Jagd nach der großen Enthüllungsstory und die mitunter zwielichtige Arbeitsweise von Lobbyisten. So wirft Hochhäusler einen Blick auf die Akteure jenseits der öffentlichen Bühne und offenbart, wie sie politische und journalistische Prozesse beeinflussen und steuern. Damit geht es in DIE LÜGEN DER SIEGER um nicht weniger als die Integrität unserer Entscheidungsträger und die Verlässlichkeit unserer Informationsquellen. Für DIE LÜGEN DER SIEGER versammelt Christoph Hochhäusler vor der Kamera u.a. Florian David Fitz und Lilith Stangenberg als Journalisten auf der Spur einer brisanten Geschichte; Horst Kotterba als Wegbereiter ihres fragwürdigen Erfolgs sowie Ursina Lardi und Arved Birnbaum als politische Lobbyisten und zwielichtige Strippenzieher im Hintergrund.

Fabian Groys ist ein Risikosucher: ehemaliger Kriegsberichterstatter, Porschefahrer, Spieler – einer, der sich chronisch überschätzt, aber vielleicht doch kein schlechter Journalist ist. Er arbeitet in der Hauptstadtredaktion eines politischen Nachrichtenmagazins; seine Arroganz fällt dort kaum auf. Sein Schwerpunkt: Verteidigung. Die letzten Wochen hat er an einer vermeintlich großen Story gearbeitet – über eine schwarze Kasse der Bundeswehr, die hilft, aus Invaliden statistisch Gesunde zu machen. Aber die Sache droht zu scheitern, weil sein Informant den Moralischen bekommen hat. Und jetzt drückt ihm sein Ressortleiter eine Praktikantin aufs Auge, die er nicht ablehnen kann. Nadja, so heißt sie, muss er erst einmal loswerden, er gibt ihr einen absurd klingenden Rechercheauftrag: ein Mann hat sich in ein Löwengehege gestürzt. Warum? Hauptsache, Nadja ist beschäftigt. Fabian schrammt unterdessen knapp an der Pleite vorbei, seinen Porsche muss er verpfänden. Spielschulden. Zu seiner Überraschung entwickelt sich aus der Alibi-Recherche eine brisante Story, die er, kaum nimmt sie Fahrt auf, für sich reklamiert. Nadja empört diese Übernahme und so arbeiten sie schließlich widerwillig zusammen. Es geht um einen Vergiftungsskandal bei einer Gelsenkirchener Recyclingfirma. Der Mann aus der Löwengrube könnte – so die These – in der Arbeit psychisch krank geworden sein. Und das war möglicherweise kein Einzelfall. Kurz entschlossen fährt Fabian mit Nadja nach Gelsenkirchen. Im ausgelösten Porsche. Aber dort öffnen sich ihnen keine Türen. Die Witwe lässt sich verleugnen, die Firma mauert, der Pathologe windet sich. Aber ihre Recherche stößt anders- wo auf Interesse. Eine PR Agentur, die wir in Bruchstücken, Stimmen, Andeutungen schon am Anfang des Films wahr- genommen haben, will die Vergiftungs-Story verhindern oder besser: sanft ablenken. Und so tauchen bei den beiden plötzlich passende Puzzlestücke auf, die dem vermuteten Chemie-Skandal einen interessanten Dreh geben: die Opfer – inzwischen wissen Fabian und Nadja, dass es mehrere gibt – scheinen alle in der gleichen Kompanie gewesen zu sein. Hat die Bundeswehr der Recyclingfirma ihre Psycho-Altlasten aufgehalst? Auch wenn sich die Ungereimtheiten mehren, die Geschichte schafft es auf den Titel. Zu spät erfährt Fabian, dass die Verbindung zu seiner alten Geschichte konstru- iert war, Ergebnis einer bewussten Fälschung. Aber wer steckt hinter den Manipulationen? Und ist Aufklärung wirklich in seinem Interesse? Sein Ressortleiter ist nicht begeistert, als er weiter forscht… Was Fabian herausfindet, geht über eine Schlagzeile hinaus.

Anmerkung des Regisseurs Christoph Hochhäusler:

 Christoph HochhäuslerDas, was wir „öffentliche Meinung” nennen, fällt nicht vom Himmel. Sie wird erzählt, gemacht, geändert – bis sie passt. Zahllose Berufe kreisen heute um Wirkung und Wahrnehmung. Einer durchaus überschaubaren Anzahl professioneller Journalisten stehen dabei mehr und mehr Spezialisten gegenüber, die nicht der Neutralität verpflichtet sind. Lobbyisten, Spin-Doktoren und PR-Profis sind gefährlich vor allem dann, wenn sie im Verborgenen wirken. Von so einer „verdeckten Operation” erzählt der Film. Um zu verhindern, dass ein Giftmüll-Skandal die ruhigen Wasser einer folgenreichen Gesetzesänderung trübt, wird der Journalist Fabian und seine Schreibpartnerin Nadja mehr oder weniger sanft auf eine andere Geschichte abgelenkt. Als Fabian merkt, dass er zum Opfer einer Manipulation geworden ist, gerät er selbst in Gefahr. Der Film erzählt als Thriller, was zum Alltag der Berliner Republik geworden ist. Ziel ist weniger Empörung als ein Be- wusstsein dafür, welche Akteure, welche Interessen unter der Oberfläche „Öffentlichkeit” operieren. Wenn man schreibend das Netz einer solchen Geschichte aufspannt, verfangen sich darin unwillkürlich Wirklichkeitspartikel. Zu den Aktualitäten, die uns in Bezug auf das Projekt beschäftigt haben, gehört zum Beispiel der Prozess um den Envio-Vergiftungsskandal, die Kampagnen-Unterlagen der Atomlobby (die der taz zugespielt wurden), die Lobby-Schlacht um die Gefahrenstoff-Verordnung REACH, der Kampf des Afghanistan-Veteranen Sedlatzek-Müller um Entschädigung und die News of the World-Affäre in Großbritannien, um nur einige zu nennen.

Szenenbilder aus „Die Lügen der Sieger“

Die Lügen der Sieger

Der Journalist Fabian Groys (Florian David Fitz) und die Praktikantin Nadja Koltes (Lilith Stangenberg) recherchieren gemeinsam an einer Enthüllungsgeschichte. © Martin Menke

Die Lügen der Sieger

In Fabian Groys (Florian David Fitz) steckt auch eine Spielernatur. © Martin Menke

Die Lügen der Sieger

Es scheint, als hätte die Praktikantin Nadja Koltes (Lilith Stangenberg) etwas zu verbergen. © Martin Menke

Leave a comment

Your email address will not be published. Required fields are marked ( * ).