21. September 2017

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4000 Arbeitsstunden für den „Tatort“

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Tag der offenen Tür in den Werkstätten des Deutschen Museums am 9. Mai

Wie’s im Deutschen Museum ausschaut, weiß wahrscheinlich jeder Münchner. Aber wie’s hinter den Kulissen zugeht, wie Demonstrationen, Dioramen und Modelle entstehen – das können die Besucher am Samstag, 9. Mai, erleben. Dann öffnen die Werkstätten des Deutschen Museum ihre Türen, man kann den Handwerkern und Künstlern über die Schulter schauen. 16 Werkstätten werden an diesem Tag in 34 Führungen vorgestellt – kostenlos!

KutschensimulatorIn der Schreinerei des Deutschen Museums liegen die Pläne der Steinmeyer-Orgel auf dem Tisch, deren Gehäuse wieder in den Originalzustand versetzt werden soll. Die Pläne dazu fanden sich der Plankammer des Museums. Die Orgel soll wieder so aussehen wie auf den Fotos aus dem Jahr 1924 – eine Aufgabe, wie gemacht für das Team von Friedhelm Simon, dem Leiter der Schreinerei. Simon kommt aus dem Schwärmen über seine vielfältigen Ausgaben gar nicht mehr heraus: Da wird nicht nur an Orgeln gebaut, da entstehen auch todschicke Möbel für das TUMLab des Museums. Und Simon zeigt mit sichtlichem Stolz auf ein Foto, das den Kutschensimulator des Verkehrszentrums zeigt. Der Holzkorpus der Kutsche ist von den Schreinern erstellt worden – aber der Simulator, der eine historische Fahrt über holprige Straßenbeläge nachstellt, ist eine Gemeinschaftsproduktion verschiedener Werkstätten. „Und genau das ist es, was das Museum ausmacht“, sagt Simon. Die Zusammenarbeit der verschiedenen Gewerke, die Tatsache, dass der Kutschensimulator jetzt seit zehn Jahren einwandfrei funktioniert – und der Umstand, dass so etwas, wenn es jemand außerhalb des Museums herstellen würde, absolut unbezahlbar wäre.

BildhauerGenauso wie das „Tatort“-Diorama, an dem derzeit in verschiedenen Werkstätten des Deutschen Museums gearbeitet wird. 4000 Arbeitsstunden wird es insgesamt brauchen, bis es fertig ist. Das Diorama ist für die neue Chemie-Ausstellung bestimmt. Hier werden Kriminalfälle im Modell dargestellt, denen man mit wissenschaftlichen Mitteln auf die Spur kommt. Die Dioramen sind der Stolz der Werkstätten. Sie fordern von allen Beteiligten höchste Akribie. Allein schon einen Himmel im Bildhintergrund so zu gestalten, das man nicht sieht, wo die dreidimensionale Darstellung aufhört und die zweidimensionale Darstellung beginnt, kann eine echte Herausforderung sein. Aber die Spezialisten hier können nicht nur Hintergründe oder täuschend echten Marmor malen – sondern auch Gemälde restaurieren. Auch Vergolder und Kirchenmaler gibt es hier.

Beeindruckend auch das Wappen des Deutschen Museums, das in der Schlosserei an der Wand hängt. Es ist das Meisterstück eines früheren Mitarbeiters, der fast 50 Jahre im Deutschen Museum gearbeitet hat. Die Flügel der Museums-Eule sind mit Damaszener-Stahl ausgelegt.

In der Elektronikwerkstatt wird ein Apparat vorgeführt, der für die neue Ausstellung Musik bestimmt ist. Sand wird von einer Art Mühlrad auf eine Metallplatte befördert, ein Lautsprecher versetzt die Platte in Schwingungen, und auf der Platte bilden sich Resonanzmuster. Die Museumsbesucher können die Frequenz verändern und zusehen, wie sich das Muster verändert. „Das Ganze funktioniert vollautomatisch, die Steuerung ist hochkomplex“, sagt Gunther Grelczak, Leiter des Elektroniklabors. „Und dass wir einem Kurator, der mit einer solchen Idee kommt, sagen müssen: ,Das geht nicht‘ – das gibt es eigentlich nicht“. Alles ist selbstgemacht, selbstkonstruiert – und es muss so konstruiert sein, dass es den Belastungen im Museum über Jahre hinweg standhält.

Das ist weltweit einmalig für ein solches Museum“, sagt Simone Bauer, beim Deutschen Museum verantwortlich für die Werkstätten. „Wir haben hier 120 Mitarbeiter in 23 verschiedenen Werkstätten. Und sie leisten eine unbezahlbare Arbeit.“ Hochkarätige Fachleute sind das. Als vor kurzem drei antike Uhren der Sternwarte des Vatikans in Italien nicht mehr reparieren werden konnten, fuhr Uhrmachermeister Thomas Rebényi hin und setzte sie perfekt instand. Jetzt ticken sie wieder in Castel Gandolfo. Geschichten wie diese können die Besucher hören, wenn sie am 9. Mai einen Blick hinter die Kulissen des Museums werfen.

Es finden zwei unterschiedliche Touren durch je acht Werkstätten statt – die Touren dauern zwei bis zweieinhalb Stunden. Es gibt Führungen für Gehörlose und zwei Familienführungen für Erwachsene mit Kindern von 5 bis 12 Jahren, mehr dazu auf www.deutsches-museum.de.

Platzreservierungen sind am 9. Mai ab 8 Uhr vor Ort möglich. Beginn der ersten Führungen: 8 Uhr. Weitere Führungen beginnen alle 30 Minuten, die letzte um 16 Uhr. Treffpunkt: Innenhof des Deutschen Museums. Die Teilnahme ist kostenlos. Es gibt aber keine Teilnahmegarantie – es gibt 34 Führungen à 12 Teilnehmer, also insgesamt 408 Plätze.

Fotos: ©Deutsches Museum

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