24. November 2017

You are here: / Kunst/Kultur / Munich Inside / Newcomer / 3’30“ – Ein Emotionsexperiment von Mario Steigerwald

3’30“ – Ein Emotionsexperiment von Mario Steigerwald

„Etwas mit Fotos – und Musik, die von Musikern ohne akademische Ausbildung gespielt wurde, während sie die Fotos gesehen haben, aber nur einmal. Und dazu dichtet ein Poet live auf einer Schreibmaschine mit Endlospapier… und liest danach, was ihm spontan eingefallen ist…“ so ungefähr beschrieb mir Mario Steigerwald – Fotograf aus dem Westend Münchens – sein fotografisches Emotionsexperiment vor einigen Wochen auf einem Streifzug durch München. Kann das funktionieren, fragte ich mich?!

Am Abend des Vatertages, 14.5.2015, führte er diese Aufnahmen im Rationaltheater vor. 15 Reihen á drei Minuten und 30 Sekunden. Daraus ergibt sich eine knappe Stunde konzentriertes, gespanntes bis belustigtes Zusehen. 15 ästhetische Diashows in Schwarzweiß mit Aufnahmen, die den Menschen und seine Eigenheiten innerhalb des zumeist urbanen Lebensraums zeigen. Die Bildfolgen werden mit Überblendungen auf die Leinwand geworfen, keine weiteren cinematographischen Effekte werden verwendet. Dies spiegelt auch den Minimalismus der Fotos wieder. Der Soundtrack besteht aus Improvisationen auf Schlaginstrumenten, Synthesizern oder auch Gesang, und ist eine direkte Antwort auf die Geschichten, die innerhalb dieser jeweils drei Minuten und 30 Sekunden erzählt werden. Mal bestimmen natürliche, graphische Elemente das Bild, in anderen Erzählungen sind es eindeutig die Menschen und ihre Stimmungen, die den Bildinhalt ausmachen. Kein Bild ist jedoch unbevölkert. Die Musik darunter gibt den Fotoreihen einen eigenen Rhythmus. Spannend und entspannend entwickelt sich dadurch ein ganz eigener Film, der auch vom Publikum mit schweigender Spannung, an manchen Stellen mit befreiendem Lachen begleitet, betrachtet wurde – dazu im Hintergrund das Stakkato der Schreibmaschine, live bespielt von Daniel Graziadei.

Im direkten Anschluß liest Daniel Graziadei sein improvisiertes Gedicht von einem gut 2 Meter langen Blatt Papier. Die Bilder des gerade Gesehenen noch frisch im Kopf, werden sie durch die Zeilen nochmals hervorgerufen – die Wiedererkennung ist eindeutig.
Ob das Experiment funktioniert hat – für Publikum, Teilnehmer und nicht zuletzt für Mario Steigerwald durchaus. Äußerst sehenswert!
Wir werden berichten, wann und wo dieses Projekt wieder gezeigt wird.

Mit Daniel Graziadei, Lucia Heller, Yesim Kadioglu, Andreas Kastiunig, Boris Maximowitz, Stefan Noelle, Moses Oeklesund, Pepe Rojas, Philipp Sajnovits, Pheli Sommer, Daphne Weber, Raphael Wiegand u.a.
https://momentossite.wordpress.com/330-2/
http://rationaltheater.de/

Fotos: ©magazine4/Dominik v.Nostitz

Leave a comment

Your email address will not be published. Required fields are marked ( * ).